(c) Jan Sting

Housesitting: Gottes Schöpfung näher gekommen

  • 20.08.20 13:43
  • Jan Sting
  •   Kurz und Knapp

Im Internet sind Susanne Hartmann und Ralf Seck auf ein Portal gestoßen, in dem Grundbesitzer sogenannte Housesitter für ihr Anwesen suchen. Sie erhielten einen Auftrag für eine Villa auf der Trauminsel Langkawi in Malaysia. Das Anwesen lag an einem Süßwasserfluss und hatte Zugang zum Meeresstrand. Ein Pool, der in das Haus hineinreicht und himmlische Ruhe, das hatten sie sich so ausgemalt. Die Besitzer wiederum hatten die Idee: Kein Haus sollte ohne Hüter sein, zumal wenn es in der Wildnis steht und Naturgewalten und neugierige Tiere jederzeit alles auf den Kopf stellen können.

Tropensturm zum Auftakt

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Auf Langkawi wurden die beiden Globetrotter aus dem Bergischen Burscheid für ein Vierteljahr vor so manche Herausforderung gestellt. „Wir sind in der ersten Nacht von einem Tropensturm überrascht worden und hatten das volle Programm: Ein verängstigter Hund, der Angst vor Gewitter hat. Ein komplett nasses Haus, Stromausfall – es funktionierte nichts,der Garten sah aus wie nach einem Bombeneinschlag. Es war das komplette Programm – komprimiert auf eine Nacht“, sagt Susanne Hartmann. Statt sich gemütlich in die Decken zu kuscheln, kämpften sie mit der Gischt. Am nächsten Tag ging es ans Aufräumen.

Zu den Aufgaben des Housesitters gehören Rasenmähen, Gassi-Gehen mit dem langhaarigen Hund Hobnob oder Katzenstreicheln. Aber das Haus auf Langkawi war nicht irgendein Haus: „Das war eine speziell designte Strandvilla mit sehr offener Bauweise. Die hatte einen Pool, der so halb in das Haus reingebaut war. Es gab eigentlich keine wirklich geschlossenen Räume. Natürlich gab es ein Dach oben drüber, es gab so Falttüren, um den Schlafbereich so ein bisschen abzudichten. Aber das man von einem geschlossenen Raum hätte sprechen können, war nicht der Fall.“ Die beiden Housesitter hatten daher oft schon beim Zähneputzen Besuch von bunten Nashornvögeln. Durch das Dach flogen abends die Fledermäuse und im Gebüsch des großen Parks wohnte ein gefährlich aussehender, aber dann doch eher gemütlicher Geselle, der ein bisschen mit einem Dinosaurier im Zwergenformat zu vergleichen ist. 

Ein Waran wachte im Gebüsch

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„Wir hatten im Garten neben vielen anderen Tieren auch ein wirkliches Prachtexemplar von 1,50 Metern Länge. Also ein ziemlich großes Teil, ein Waran, der irgendwo im Gebüsch sein Zuhause gefunden hatte. Und wenn die Sonne schien, kam er gerne raus und hat den Garten erkundigt“, erinnert sich Hartmann. Ihren Mann Ralf Seck beeindruckte eine Otterfamilie.

„Wir wussten, dass Otter im Fluss zu Hause sind, aber dass die da in der Meeresbrandung standen und sich quasi gebadet habe, das war für uns auch neu.“ Das Zusammenleben von Mensch, Tier und Natur erwies sich nicht immer als ganz unkompliziert. Der Tropensturm zum Auftakt hatte die beiden Globetrotter schon einmal auf alle Eventualitäten eingestimmt. Doch es zeigte sich auch, dass die wilden Tiere auf dem Anwesen ihren Platz hatten. An einem Tag gab es Besuch von einer Affenhorde auf dem Grundstück. „Da waren wir in Alarmbereitschaft. Den Affen, die können einem alles zerlegen, eine Unordnung schaffen. Das möchte man nicht“, sagt Ralf Seck. 

Respekt vor der Schöpfung

Viel sind beide herumgekommen, haben 2008 eine einjährige Weltreise gemacht. Aber dadurch, dass sie für das Anwesen verantwortlich gewesen seien, habe sich ihnen der Alltag der Malaien viel stärker dargestellt, als es womöglich bei einem Wandertrip der Fall gewesen wäre. Auch ein Ausflug zum buddhistischen Lankawi Lucky Tempel stand auf dem Programm. 

Der Respekt vor der Schöpfung hat sich ihnen durch das besondere Haus eingeprägt: „Wir waren ja letztendlich nicht die, die zuerst da waren, sondern die Tiere in diesem natürlichen Umfeld. Da gehört ganz viel Respekt dazu. Und wenn der Menschen sich breit macht, und ein Haus hinstellt, dann sollte das so geschehen, dass eine gewisse Symbiose bestehen kann“, sagt Ralf Seck. Ihre Eindrücke haben die beiden im Reiseerlebnistagebuch Abenteuer Housesitting aufgeschrieben. Das geben Susanne Hartmann und Rolf Seck im Eigenverlag Books on Demand heraus.  

Abenteuer Housesitting, ein Erlebnistagebuch von Susanne Hartmann und Ralf Seck, Books on Demand, 12,90 Euro, ISBN: 978-3-7519-5410-5

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