Jürgen Draht (c) Jan Sting

"Ich verstehe Dich"

  • 27.11.17 09:31
  • Jan Sting
  •   Nachgefragt

Neun Monate dauerte die Ausbildung zum Notfallseelsorger, die 19 Ehrenamtliche im Kreis Mettmann gemacht haben. Ein ökumenisches Projekt, in dem die evangelischen Kirchenkreise Düsseldorf-Mettmann, Niederberg, Leverkusen und das katholische Kreisdekanat Mettmann zusammenarbeiten. Der evangelische Pfarrer Jürgen Draht ist einer der neuen ehrenamtlichen Notfallseelsorger.

Herr Draht, welche Einsätze haben Sie in erster Linie als Notfallseelsorger?

Also der häufigste Einsatz ist der häusliche Todesfall. Das heißt, ein Mensch verstirbt zu Hause plötzlich. Möglicherweise versuchen Angehörige zu reanimieren. Das ist eine schwere und schockierende Situation.

Was war für Sie persönlich ein prägendes Erlebnis?

Ein sehr prägendes Erlebnis war für mich ein älterer Herr, dem über Nacht die Frau gestorben war, wo ich zum ersten Mal gemerkt habe „ich verstehe den und der spürt, dass ich ihn verstehe.“ Also dieses gegenseitige Einvernehmen, ohne, dass das explizit ausgesprochen werden muss - also da ist einfach ein Gefühl „ich verstehe dich“ - und der andere merkt, er wird verstanden. Das ist eigentlich das Wesentliche. Und was ich immer wichtig finde, wenn ich spüre oder merke, es hat sich auf der anderen Seite etwas gelöst und es hilft auf der anderen Seite, weiterzukommen.

19 Ehrenamtliche haben nun ihre Ausbildung zum Notfallseelsorger absolviert. Wie läuft die Ausbildung ab?

Die Ausbildung umfasst ungefähr 120 Stunden und im Wesentlichen geht es darum, also Gesprächsführung, aber auch –wie gehe ich mit theologischen Fragen um? wie kann Gott so etwas zulassen? Also, wo wir tatsächlich an Grenzen oder in den Bereich der Ratlosigkeit kommen und diese Ratlosigkeit auch aushalten müssen. Die Selbstsorge gehört mit zu den wichtigen Themen Stress und Trauma; und natürlich der Umgang mit den unterschiedlichen Schadenslagen und den Institutionen, die damit zu tun haben: Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst. Ganz ehrlich, die Einsatzkräfte sind mir ein Vorbild gewesen. Ich habe immer geschaut, wie gehen die eigentlich mit den Betroffenen um. Und die können das gut. An denen habe ich mich immer orientiert.

60 hauptamtliche Seelsorger gibt es in Mettmann, Niederberg und Leverkusen. Was kommt auf die Ehrenamtlichen zu?

Jeder sollte also mindestens einmal im Monat einen Einsatz haben. Faktisch wird es so sein, dass diejenigen, die nicht mehr im Berufsleben sind, ein paar Einsätze mehr machen, als diejenigen, die noch mitten im Berufsleben sind.

Was für Kompetenzen bringen sie aus welchen Berufsgruppen stammend mit?

Hilfreich sind natürlich Berufe, in denen man mit Menschen zu tun hat. Die Krankenschwester, der Flugbegleiter, ein Architekt und ein Sänger sind dabei - ganz unterschiedliche Berufe und Kompetenzen sind vertreten.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der AdventsZeit 2018.

Zur AdventsZeit 2018 »