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„Indigene müssen zu unseren Vorbildern werden“

  • 29.09.20, 14:44
  • Stephan Neumann

Ein Jahr nach der Amazonas-Synode brennt es im Regenwald Lateinamerikas wie nie zuvor. Politisch gefördert, schreitet die Zerstörung der Lunge der Erde voran. Auf immer mehr und größeren Flächen wird Soja angebaut und werden Rinder gemästet – insbesondere auch für den europäischen Markt. „Wir setzen hier einen Kontrapunkt zu einer Politik der Ausbeutung von Mensch und Natur“, stellt Adveniat-Partner Bischof Johannes Bahlmann von Óbidos im brasilianischen Amazonasgebiet fest. „Auf der Amazonas-Synode war der Ruf zur ökologischen Umkehr der wichtigste Punkt, weil sie uns als Menschheit alle angeht – persönlich und weltweit. Wir Bischöfe haben uns mit Papst Franziskus verständigt, dass wir beim Umwelt- und Klimaschutz, also bei der Bewahrung der Schöpfung, neue Wege gehen wollen. Um diese Bewusstseinsveränderung voranzubringen, aber auch konkrete Wiederaufforstungsinitiativen zu starten, dafür haben wir als katholische Kirche beste Voraussetzungen, weil wir bis in die entlegensten Gemeinden präsent sind“, ist Bischof Bahlmann überzeugt, der vom 6. bis zum 27. Oktober 2019 an der Amazonas-Synode im Vatikan teilgenommen hatte.

Umgang mit der Natur lernen

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„Auch wir Europäer tragen dafür Verantwortung, dass sich die Zahl der Brände im Amazonasgebiet nach den Rekordwerten 2019 nochmals erhöht hat“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Michael Heinz. Das US-Wissenschaftsmagazin „Science“ habe in einer Studie klargestellt, dass ein Fünftel der Soja- und Rindfleischimporte der Europäischen Union aus Brasilien im Zusammenhang mit illegaler Abholzung im Amazonasgebiet und der Cerrado-Savanne stehe.

„Die persönliche Verhaltensänderung ist genauso wichtig wie der politische Wandel“, ist der Adveniat-Chef überzeugt, der als Berater an der Amazonas-Synode vor einem Jahr teilgenommen hatte. „Die Indigenen müssen mit ihrem Verhältnis zur Natur und ihrem Umgang mit der Schöpfung zu unseren Vorbildern werden“, ist Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Heinz überzeugt.

Die ursprünglichen Völker haben die Amazonas-Synode vor einem Jahr geprägt und getragen. Das Bischofstreffen war dank der Vorbereitung durch das kirchliche Amazonas-Netzwerk Repam (Red Eclesial PanAmanzonica), dem Adveniat seit der Gründung 2014 angehört, auch ein buntes und vielfältiges Fest des Glaubens mitten in Rom. „Wir sind als Menschen ganz unterschiedlicher Kulturen und aus insgesamt neun verschiedenen Ländern zu einer neuen Einheit zusammengewachsen“, beschreibt Bischof Bahlmann das Miteinander über Länder- und Kulturgrenzen hinweg. Wie die Bischöfe in ihrem Schlussdokument hatte sich auch Papst Franziskus im Nachsynodalen Dokument „Querida Amazonía“ für eine vorrangige Option für die indigenen Völker ausgesprochen. Dieses Augenmerk auf die ursprünglichen Völker des Amazonasgebietes ist für Adveniat-Partner Bischof Bahlmann ein Bekenntnis, dass sich die christliche Botschaft den indigenen Kulturen öffnen und in sie hineinübersetzt werden muss. Und es bekräftigt den Willen, von den Indigenen und ihrer Lebensweise zu lernen, um die Erde zu bewahren.

SommerZeit 2020 (c) Robert Boecker

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