(c) Robert Boecker

"Irgendwann werde ich es schaffen"

  • 20.01.18 17:12
  • Anna Woznicki
  •   Im Auftrag des Herrn

Diese Frauen haben Geschichten wie aus dramatischen Romanen. Kaum zu glauben – aber wahr“, weiß Hildegard Leber. 22 Roma-Frauen besuchen bis zu vier Mal in der Woche das Internationale Begegnungszentrum des Caritasverbandes Wuppertal/Solingen. Hier nehmen sie an dem Projekt „Mamica“ teil, was so viel bedeutet wie Mütterchen und in Slowenien, Bulgarien oder auch Serbien als Kosename genutzt wird. Ziel dieses Projektes ist die Begegnung – untereinander und insbesondere zu dem Rest der Gesellschaft, die den Frauen bisher weitestgehend verschlossen geblieben ist. Die Förderung der gesellschaftlichen und sozialen Integration von schwangeren Roma-Frauen und Roma-Müttern mit kleinen Kindern in Wuppertal und Solingen hat sich das Projekt, das von der Caritas und der „Aktion Mensch“ finanziert wird, auf die Fahnen geschrieben. Hildegard Leber leitet „Mamica“ und ist mit Herzblut dabei. Während der Kurse werden die Kinder der Frauen von Caritas-Mitarbeiterinnen betreut.

Angst vor Ämtern

 „Oh, das ist schon ein großer Fortschritt. Inzwischen merkt man, dass sie aufblühen – auch wenn es für uns auf den ersten Blick nicht so wirkt“, lacht Hildegard Leber. Der Großteil der Roma-Frauen hat drei bis vier Kinder – oft von unterschiedlichen Vätern. Im Teenageralter verheiratet, dann verlassen worden und geschieden. Abhängig von Schwiegereltern und Ex-Männern und irgendwie nun von Institutionen wie der Caritas. Was ist das für ein Gefühl, wenn sie einer Frau helfen konnte? „Zwiespältig“, sagt Hildegard Leber und zuckt die Schultern, „ich freue mich, helfen zu können, aber es vermittelt den Frauen auch das Gefühl, dass sie es ohne uns nicht schaffen würden. Und oft ist es auch leider so."

Fadila kann gut Deutsch

Eine der Frauen steht auf, sie muss gehen, erklärt sie und hält bittend eine Mappe mit Briefen hoch. Was darin steht, versteht sie nicht. Hildegard Leber hilft ihr. Ein Brief ist vom Wohnungsvermieter. Die Nachbarn haben sich beschwert, es wohnten mindestens zwölf Personen in der Wohnung. „Nein“, sagt die Frau, „es ist Familie – sie kommen nur zu Besuch.“ „Ich weiß, dass sie die Wahrheit sagt“, so Leber. „ Aber für die Nachbarn ist so viel Besuch befremdlich. Wir als Caritas können Seriosität herstellen und ihr den Rücken stärken.“ Fadila (29) spricht gut Deutsch. Sie besuchte in ihrer Kindheit die erste und zweite Klasse in Deutschland, als in ihrer Heimat Bosnien Krieg war. Seit zwei Jahren ist sie wieder hier und hat vor Kurzem eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. „Ich liebe es, die Kurse von Mamica zu besuchen. Ich möchte richtig lesen und schreiben lernen, damit ich mir eine Zukunft in Deutschland aufbauen kann. Und damit ich keine Angst mehr habe, auf Menschen zuzugehen. Eine Freundin habe ich schon gefunden. Ich hoffe, es werden mehr.“

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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