Kölner Köbes im Brauhaus (c) picture-alliance_Oliver-Berg

Jakob, Köbes und Santiago

  • 17.06.16 12:24
  • Katrin Bauer
  •   Kurz und Knapp

Mit seiner blauen Schürze, einer umgeschnallten ledernen Geldtasche und seiner vermeintlich rauen, ruppigen Art wurde er zu einem stereotypisierten Symbol der rheinischen Kölschkultur. Seit dem 9. Jahrhundert zog das Apostelgrab des heiligen Jakobus in Santiago de Compostela Pilger aus ganz Europa an, in Deutschland begann der Jakobuskult rund 200 Jahre später. Für die Pilger wurde das Rheinland schnell zu einem Knotenpunkt und Köln, verkehrstechnisch günstig gelegen, gedieh zu einer wichtigen Anlaufstation und einem bedeutenden Sammelpunkt. Hier rasteten und ruhten die Pilger in einer der vielen Herbergen und die Stadt am Rhein hatte außerdem so manche Attraktion zu bieten: Seit 1164 waren die Gebeine der Heiligen Drei Könige in Köln und wurden zum Mittelpunkt der europäischen Reliquienverehrung. Nach dem Fund eines Gräberfeldes mit den vermeintlichen Gebeinen der Heiligen Ursula setzte im 12. Jahrhundert auch der Kult um die Märtyrerin ein und zog wiederum zahlreiche Pilger ins Rheinland, sodass Köln im Hochmittelalter zu einer der wichtigsten Pilgerstätten wurde.

Pilger arbeiten im Brauhaus

Mit den Pilgern entstand durch den Verkauf von Devotionalien und der Ansiedlung von Herbergen, Wirtshäusern und Gaststätten eine regelrechte Pilgerinfrastruktur. Und hier kommt, der Legende nach, der Köbes ins Spiel: Vehement hält sich die Erzählung, dass es Jakobspilger waren, die im Mittelalter auf dem Weg zum Apostelgrab in Spanien in Köln Station machten und sich als Zapfjungen in den Kölner Wirtschaften Geld verdienten. Da sie die Gäste mit ihren Pilgergeschichten gut unterhalten konnten, blieben sie und bekamen den Namen Köbes, also Jakob mit Verweis auf ihre eigentliche Intention. Dass es für diese Geschichte keinerlei gesicherte Quellen gibt und der Köbes wohl erst irgendwann im 19. Jahrhundert zu seinem Namen fand, bleibt dabei unbeachtet. Die wiederkehrende Erzählung zeigt aber, dass solche Narrative wichtig sind und zu den Grundbedürfnissen des Menschen zählen: Ein Köbes mit Tradition, dessen Name auf mittelalterliche Jakobspilger zurückgeht, ist offenbar authentischer und attraktiver als ein, lange Zeit namenloser, Schankwirt, der erst im 19. Jahrhundert zu seinem „Allerweltsnamen“ Jakob gekommen ist.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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