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Jobbörse für Geflüchtete: Eine neue Chance!

  • 19.03.19 14:05
  • Jan Sting
  •   Im Auftrag des Herrn

Unternehmen in Deutschland suchen dringend Fachkräfte – Geflüchtete, die in ihrem Heimatland eine Ausbildung abgeschlossen haben, suchen Arbeit. Auf der ersten Jobbörse für Geflüchtete gab es nun in der Hürther Caritas-Geschäftsstelle die Gelegenheit zum direkten Kontakt. Der 22-jährigen Medi Intaschik aus Afghanistan berichtete über seine Erfahrungen auf der Jobsuche. Erste Fortschritte machen seine Bemühungen, seit ihm die Hürther Brücke der Kulturen eine Jobpatin zur Seite gestellt hat. Sie hilft ihm durch den Behördendschungel. Während eines Praktikums beim Hürther Unternehmen Infraserv Knapsack lernte Medi, wie sich große Maschinen warten lassen. „Das Praktikum zu bekommen, wenn keine Unterstützung da ist, ist schwer. Aber jetzt habe ich Unterstützung bekommen, von der Brücke Hürth. Die haben geholfen, dass ich ein Praktikum und eine Ausbildung bekomme. Zuerst in der Ausbildung lernt man Fräsen, Schneiden, Sägen, Bohren, Schweißen, Schleifen. Nachher werde ich Industriemechaniker und wenn es geht, dann mache ich Meister. Ich möchte dann technisch arbeiten in Zukunft“, erklärt Medi.

Bereits 300.000 Geflüchtete fanden einen Job

Eingeladen hatten die Aktion Neuen Nachbarn und der Sozialdienst Katholischer Frauen mit der Arbeiterwohlfahrt, und der ASH-Sprungbrett. Johanna Schneider, beim Diözesancaritasverband für das Projekt Neue Nachbarn und Integration am Arbeitsplatz zuständig, hat Erfahrungen mit vielen behördlichen Hürden, mit denen arbeitssuchende Flüchtlinge in der Regel zu kämpfen haben: „Es sind einfach die Informationsnachteile, die viele Geflüchtete in Deutschland, aber auch viele jugendliche Deutsche haben, die einen Ansprechpartner finden müssen. Es gibt Beratungsstellen und solche Angebote wie Jobpatenschaften. Schneider sieht in der Jobbörse auch die Chance, den Arbeitssuchenden ebenso wie den Arbeitgebern zu vermitteln, dass sich der persönliche Austausch lohnt. „Wir sehen, dass es gelingt. Wir haben schon über 300 000 Geflüchtete in Arbeit von diesen vielen Menschen, von den über zwei Millionen, die 2015 gekommen sind.“ Wahib Sinaa aus dem Irak kam nach Hürth, um sich auf der Jobbörse über einen möglichen Wechsel zu informieren: „Ich habe einen Job in andere Stadt gefunden, aber ich habe Probleme. Das ist zu weit und der Job akzeptiert nicht, dass ich kein Auto habe. Und das gibt Probleme.“

Wirtschaftsförderung vermittelt zu über hundert Betrieben

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Und Organisatorin Anna Breuer-Wirges kennt beide Seiten. Geflüchtete, die in ihrem Heimatland eine Ausbildung abgeschlossen haben, suchen Arbeit. Und die Firmen suchen händeringend Fachkräfte. Auf einer Veranstaltung für Arbeitgeber in Kerpen sei die Idee für die Jobbörse angeregt worden.

„Die Arbeitgeber haben gesagt, sie würden auf solch einer Jobbörse gerne Geflüchtete kennenlernen, die einen Job suchen“, so Breuer-Wirges. Bei der Caritas in Hürth machte über ein Dutzend Betriebe von dieser Möglichkeit Gebrauch. Dabei wurden erste Kontakte geknüpft und Bewerbungsgespräche oder Praktika verabredet. Die Wirtschaftsförderung in Hürth vermittelt zu über hundert weiteren Unternehmen. Eine passende Beschäftigung zu fairen Konditionen zu finden, ist Ziel beider Seiten. Peter Zens vom Gertrudenhof in Hürth informierte im Caritassaal die Jobsuchenden über seinen Erlebnisbauernhof. „Ich finde es einfach viel, viel schöner, Menschen, die hierherkommen und eine neue Heimat suchen, eine Chance als Arbeitskraft zu geben, statt auf einem Bauernhof, wie wir es sind, Saisonarbeitskräfte einzusetzen.“

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