Susanne Breyer und Elena Stötzel (c) BDKJ Köln

Katholisch, politisch, aktiv

  • 29.09.17 09:17
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Frau Breyer, Frau Stötzel, mit 70 ist man ja alles andere als jung. Warum hat der BDKJ es trotz dieses hohen Alters geschafft, jung zu bleiben?

Stötzel: Die jungen Menschen in den Jugendverbänden gestalten den BDKJ. Aus diesem Grund wird zwar der BDKJ älter, aber nicht die Menschen die ihn ausmachen und die die Themen setzen. Auch nach 70 Jahren beschäftigt sich der BDKJ mit den Anliegen der jungen Generation und auch seine Strukturen ändern sich ganz nach den Bedarfen der jungen Menschen, die sich hier engagieren.

Breyer: Der BDKJ ist immer mit der aktuellen Generation junger Menschen im Gespräch und hört, welche Themen gerade wichtig und relevant sind. Eine unserer Aufgaben ist es, gesellschaftliche Veränderungen zu beobachten und immer wieder die Frage zu stellen, welche Auswirkungen dies auf die junge und auf nachwachsende Generationen hat und entsprechende Gestaltung anzustoßen.

Was ist heute ganz anders beim BDKJ als damals bei der Gründung?

Stötzel: Bei der Gründung des BDKJ waren die katholische Mannesjugend und die katholische Frauenjugend zwar gemeinsam unter einem Dach, dennoch haben die Geschlechter hauptsächlich unter sich gearbeitet. Heute sind im BDKJ sowohl Verbände nur für Mädchen und Frauen und Verbände nur für Jungen und Männer vereint, als auch koedukative Verbände - wobei die meisten Mitgliedsverbände des BDKJ koedukativ arbeiten. Damals wie heute ist ein wichtiges Thema des BDKJ die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Ein wesentlicher anderer Unterschied ist, dass mit der Gründung des BDKJ die heutige Abteilung Jugendseelsorge und der BDKJ ein und dasselbe waren. Der Diözesanjugendseelsorger war somit automatisch auch Präses des BDKJ. Heute sind Amt und Verband getrennt, arbeiten aber immer noch gerne und intensiv zusammen wie beispielsweise beim Weltjugendtag oder der Aktion Dreikönigssingen.

Was ist gleich geblieben?

Breyer: Der unermüdliche Einsatz für die gerechte Sache. Junge Menschen haben einen feinen Gerechtigkeitssinn und sind motiviert sich einzubringen und zu engagieren. Damals wie heute wirkt der BDKJ daraufhin, dass jungen Menschen eine Beteiligung an der Gestaltung von Gesellschaft und Kirche ermöglicht wird. Es gibt auch Themen, die gleich geblieben sind. So setzt sich der BDKJ z.B. immer noch für Frieden in der Welt ein. Auch das Engagement gegen Rechts ist ein Thema, bei dem die Jugendverbände schon immer in der Wahl der Aktionsformen kreativ waren. Dass dieses Thema wichtig war und wichtig ist, kann man auch in der Geschichte des BDKJ sehen. In der Zeit des Nationalsozialismus, wurde die Arbeit der Jugendverbände verboten. Diese haben teilweise im Untergrund weitergearbeitet und sich der Gleichschaltung widersetzt. Diese Erfahrungen haben zu der Überzeugung beigetragen, dass so etwas nie wieder passieren darf.

Die Jugend hat sich stark verändert in diesen 70 Jahren. Stichwort Digitalisierung und soziale Medien. Welche Wege muss der BDKJ im Jahr 2017 gehen, um die Jugend noch zu erreichen?

Stötzel: Natürlich sind wir mit unseren Kommunikationswegen mit der Zeit gegangen. Wir haben eine Facebookseite, einen Twitteraccount und Whats-App-Gruppen mit den Mitgliedern unserer Gremien für schnelle Absprachen. Seit diesem Jahr übertragen wir bei Bedarf auch unsere Gremiensitzungen per Videokonferenz, so dass auch Leute teilnehmen können, die zu der Zeit nicht vor Ort sein können. Wichtig ist uns aber, dass wir auch weiterhin mit den Ehrenamtlichen im persönlichen Gespräch bleiben – ganz old school.

Auch das Verhältnis zu Religion und Gott hat sich verändert in den sieben Jahrzehnten. Wie begeistern Sie die Jugendlichen noch für "die Sache Jesu"?

Breyer: Wir erleben, dass Jugendliche sich begeistern lassen, wenn sie mitbestimmen können, das gilt auch für pastorale Angebote. In den Jugendverbänden ermöglichen wir Jugendlichen auf ihre eigene Art und Weise ihren Glauben zu erleben und zu feiern und sich mit ihm auseinander zu setzen. Das kann in einem Gottesdienst im Zeltlager sein oder in Form von Impulsen zu verschiedenen aktuellen Themen oder auch ganz einfach in der Auseinandersetzung mit Themen des eigenen Glaubens. Darüber hinaus sehen wir als eine Aufgabe des BDKJ, „die Sache Jesu“ immer wieder neu in jugendgerechte Sprache zu übertragen und mit den jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. In den Jugendverbänden gibt es auf allen Ebenen Geistliche Verbandsleitungen, die wichtige Ansprechpersonen für die Jugendverbandlerinnen und –verbandler sind.

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