Seligsprechung Josef Marxen in der Kathedrale von Shkodra (c) Cäcilia Giebermann

Kerzen in Albanien

  • 14.11.16 21:53
  • Giebermann, Cäcilia
  •   Im Auftrag des Herrn

Josef Marxen war mein Großonkel. So habe ich mich in den letzten Jahren auf Spurensuche begeben, Albanisch gelernt, mit alten Zeitzeugen gesprochen, Bücher gewälzt. Zu meinen Reisen bin ich alleine aufgebrochen, voller Neugier auf das Unbekannte in Albanien und gleichzeitig voller Sehnsucht nach meiner Familie zu Hause. Diesmal, zur Seligsprechung, kann ich sie mitnehmen nach Albanien: meinen Mann, unsere fünf Kinder, meine Eltern, zwei Tanten, meinen Patenonkel und Gjergj, der aus Albanien kommt und seit einem Jahr bei uns lebt. Aus Josefs Taufkirche in Worringen nehmen wir schöne Kerzen mit auf den Weg. Wer bekommt sie?

Zeitzeuge und Kämpfer Simoni

Mucksmäuschenstill ist es in der Kathedrale von Shkodra, als das päpstliche Dekret zur Seligsprechung der 38 Märtyrer verlesen wird. Dann tritt ein greiser Priester hervor: Ernest Simoni. Er wurde während der atheistischen Diktatur im Geheimen zum Priester geweiht, hat Kirchengut vor den Verfolgern gerettet und dann viele Jahre im Gefängnis gesessen, auf die Vollstreckung seines Todesurteils gewartet, die Hinrichtung seiner Mitbrüder erlebt, Einzelhaft und Folter ausgehalten. Nach seiner Freilassung wurde er zur Arbeit in den Kloaken gezwungen. Immer spendete er die Sakramente: bis 1990 heimlich, nach dem Sturz des kommunistischen Regimes wieder öffentlich. Als ich ihn vor ein paar Jahren besuchte, war ihm die Traurigkeit noch anzumerken: Traurigkeit darüber, „dass Gott mein Leben nicht wollte“. Sein Dienst, so sagen ihm die Gläubigen, ist das Erinnern an die Zeit der Christenverfolgung im atheistischen Albanien.

Neuer Kardinal und hilfsbereite Schwestern

 (c) Cäcilia Giebermann

Ernest Simoni, der einfache Priester, den Papst Franziskus nun zum Kardinal erwählt hat, trägt in einem schlichten Holzgefäß die Reliquien herein: Knochen seiner hingerichteten Mitbrüder. Aufrecht geht der alte Mann, glücklich und demütig. Dieses Bild will ich nach der Messe denen, die zu Hause bleiben mussten, senden, auch ein paar Journalisten warten in Deutschland schon auf Nachricht.

Ich brauche einen ruhigen Ort mit Internetempfang, die Kinder wollen nach dem langen albanischen Gottesdienst natürlich lieber toben. Da gabelt uns eine mir unbekannte Ordensschwester auf: Ihr Kloster ist in der Nähe, dort gibt es W-LAN und ein paar Mitschwestern, die bestimmt gerne mit den Kindern spielen. Dankbar nehmen wir an, bald darauf versende ich bei einer guten Tasse Kaffee meine Bilder und Texte, die Kinder lassen sich gerne bespaßen. Diese herzlichen Nonnen freuen sich über unsere erste Kerze aus Onkel Josefs Taufkirche. Die Seligsprechung in die Wege geleitet hat Erzbischof Angelo Massafra. Am Abend des Festtages lädt er zu einem Essen. Die Kinder freuen sich, ihn wiederzusehen: Vor ein paar Jahren, als er uns in Deutschland besuchte, tanzte er mit ihnen durchs Spielzimmer! In seiner schlichten, freundlichen Art beeindruckt er. Ihm schenke ich die zweite Kerze. Er zeigt sie allen Anwesenden und erinnert daran, dass Josef Marxen aus unserer Erzdiözese Köln kam.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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