Kinga-Kapelle (c) picture alliance_Janusz Rosikon

Kinga-Kapelle: Kirche unter Tage

  • 07.10.16 10:35
  • Martin Mölder
  •   Glaubensmagnete

Es ist eine der ältesten Salzminen Europas. Um das Jahr 1275 hat man hier, in der Nähe der polnischen Stadt Krakau, mit dem Abbau von Steinsalz begonnen. Viele tausend Tonnen des wertvollen Salzes wurden mehr als vier Jahrhunderte lang aus der Mine von Wieliczka geholt. Seit 1718 ruht die Arbeit im Bergwerk und es steht Besuchern offen. Berühmte Persönlichkeiten waren schon hier: Goethe, Chopin und Balzac zum Beispiel. Und sie waren ebenso wie die rund eine Million Touristen, die jedes Jahr hierhin kommen, restlos begeistert, auch und vor allem von der Kinga-Kapelle. Obwohl alle Touristen mittlerweile natürlich wissen, dass sich ein Gotteshaus tief unten im Salzbergwerk verbirgt, ist die Überraschung doch jedes Mal groß, wenn sie plötzlich von oben in die gewaltige Kapelle der Heiligen Kinga blicken.

Eine Heilige aus dem Volk

Kinga von Polen wird von manchen auch Kunigunde von Polen genannt. Kinga heiratete 1239 den polnischen Herzog Bolesław V., dem sie bereits als Fünfjährige versprochen war. Die Ehegatten lebten jedoch ihr Leben lang in völliger Keuschheit. Kinga stiftete das Klarissenkloster Alt-Sandecz, in das sie nach dem Tod ihres Mannes eintrat. Dort starb sie am 24. Juli 1292. 1999 wurde Kinga durch Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Heute gilt sie als Schutzpatronin von Polen und Litauen. Und ein gewisser Grad an Ehrfurcht und Gottesgläubigkeit ist auch den Besuchern der nach der Heiligen Kinga benannten Kapelle im Salzbergwerk Wieliczka anzumerken – auch denen unter ihnen, die nicht unbedingt regelmäßig eine Kirche von innen sehen.

Kunst aus Salz

Der riesige Kronleuchter, die Kanzel, der Altar, viele Reliefs, die Heiligenbilder an der Wand - alles haben die Bildhauer aus Salz geschaffen. Im fahlen Licht sehen die Heiligenfiguren grau und hart aus, angestrahlt erscheinen sie leicht durchsichtig, so als glühten sie von innen heraus. Besonders beeindruckend ist allein schon die Größe der Kapelle. 31 Meter lang und 15 Meter breit ist der Stolz der Polen und ihre 465 m² Fläche bietet bis zu 400 Menschen Platz. Und wenn die in der Kinga Kapelle einen Gottesdienst hier erleben, ist es so völlig anders als oberirdisch. Die Tatsache, dass man sich bereits unter der Erde befindet, beeinflusst Gedanken und Gebete fast aller Gläubigen hier. Und viele von Ihnen fahren mit einem Gefühl aus Staunen, Bewunderung, Ehrfurcht und Dankbarkeit mit dem Aufzug wieder hoch ins Licht.

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