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Kirche Alaaf, Glauben Helau - Teil 2

  • 21.02.17 13:05
  • Martin Mölder
  •   Kurz und Knapp

„Die Arbeit bei den verschiedenen Traditionskorps, die ganzen Trauungen, Beerdigungen, Taufen und die Messen in Kölner Mundart – all das ist ein eigener pastoraler Sandkasten geworden“, sagt Pfarrer Gerhard Herkenrath, „ in dem Bereich erreichen sie Leute, die mit der Institution Kirche oft keinen Kontakt mehr haben, zum Beispiel weil sie sich über ihren Pastor geärgert haben und die bekommen auf einmal mit, es geht auch anders, es geht unkompliziert und ganz nah dran an den Menschen.“ Für Herkenrath ist das Karnevalsmillieu „ein sehr lebendiges, sehr menschliches Millieu, und es ist wichtig, dass auch die Jecken Kirche erleben in einer Weise, die ihnen zusagt und mit der sie sich identifizieren, aber auch auseinandersetzen können.“ Auch deshalb zitiert er immer gerne aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther: „Wir sind nicht Herren eures Glaubens, sondern Diener eurer Freude.“ (2. Kor., 1,24)

Halleluja und Helau

Aber nicht nur im Rheinland sind Karneval und Kirche eng miteinander verknüpft. „Um die Kirchenfeste feierte man auch immer weltlich, wie zum Beispiel den Rummel am Tag der Kirchweihe“, sagt Dr. Peter Höher von der Volkskundlichen Kommission des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, „bei den Anfängen der Fastnacht war auch in Westfalen die bevorstehende Fastenzeit der Ursprung der Bräuche: Die Menschen wollten es sich vor der langen Zeit des Fastens noch einmal gut gehen lassen.“ Und die Kirche hatte nichts dagegen, sie feierte sogar gerne mit. Im 19. Jahrhundert entstanden in vielen Gemeinden auf diese Weise die ersten Pfarrsitzungen, Karnevalssitzungen, deren Programm ausschließlich die Gemeindemitglieder bestritten. Neben Sketchen, Tänzen und Gesangseinlagen, ging damals wie heute auch gerne mal der Pfarrer selbst auf die Bühne und in die „Bütt“, um eine humorvolle Rede zu halten, in der er nicht selten die eigene Kirche und ihre obersten Vertreter durch den Kakao zog. Die „Kajuja-Sitzung“ der katholischen Jugend in Köln ist mittlerweile eine der beliebtesten Karnevalssitzungen überhaupt in der Domstadt geworden.

Auch Bischöfe sind "jeck"

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Empfehlungen für den Fasching kamen auch immer wieder von Bischöfen. So sah der Mainzer Bischof Haffner “fast eine Ketzerei darin”, wenn die „Fassenacht“ abgeschafft würde. 1993 empfahl der Münchner Erzbischof, Friedrich Kardinal Wetter sogar den Fasching als 2heitere Revolte gegen niederdrückenden, auslaugenden Streß”. Er verschaffe gesunden Realismus, damit wir uns nicht wichtiger nehmen, als wir tatsächlich sind.“ Solche Worte hören die Karnevalisten in Köln natürlich gerne und sagen brav: Amen und Alaaf!

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