Domschweizer im Kölner Dom (c) Robert Boecker

Kirchenschweizer - Wächter über Ruhe und Ordnung

  • 10.06.16 21:34
  • Martin Mölder
  •   Kurz und Knapp

Der Begriff Kirchenschweizer hat tatsächlich mit dem Land Schweiz zu tun, denn im 17. und 18. Jahrhundert waren es oft ehemalige Soldaten aus der Schweiz, die ins Ausland gingen und sich beim Militär oder als Wachpersonal die außer Landes gegangen waren und unter anderem als Soldaten oder als Wachpersonal Geld verdienten. Ein sogenannter Türhüter oder Hausmeister eines reichen Privathauses wurde zu dieser Zeit auf Französisch „Suisse“ (Schweizer) genannt.

Die Aufseher des Herrn

Die wichtigste Aufgabe der Kirchenschweizer ist es, während der Liturgie für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Im Sommer achten sie peinlich genau darauf, dass die Besucher des Gotteshauses angemessen gekleidet sind, also nicht mit Kopfbedeckung, in kurzen Shorts, bauch- oder schulterfrei in die Kirche marschieren. Damen im Badeanzug mussten die strengen Aufpasser ebenso der Kirche verweisen wie eine trinkfreudige Frau, die ihre Schnapsflasche im Weihwasser-Becken kühlen wollte. Besonders mürrisch werden Kirchenschweizer dann, wenn Touristen mit einem Döner und/oder einer Flasche Bier in der Hand die Kirche oder Kathedrale betreten. Wenn gerade ein Gottesdienst läuft, zeigen sie den Touristen, in welchen Bereichen sie sich aufhalten dürfen und wo nicht. Viele Kirchenschweizer verstehen sich aber nicht nur als Wachmann, sondern auch als Helfer. Zum Beispiel bei der Platzsuche im überfüllten Dom oder auch bei der Orientierung in einer großen Kathedrale.

Sinnvolle Aufgabe im Ruhestand

Die Aufgabe des Kirchenschweizers wird oft von Rentnern übernommen, die  bei einer Kirchengemeinde, Pfarrei oder der Diözese angestellt sind. Meist sieht man sie in Deutschland in den großen Kathedralen. So etwa im Trierer Dom, Bamberger Dom, Mainzer Dom, Kölner Dom und Salzburger Dom. Aber auch manch andere große Kirchen wie Wallfahrtskirchen oder auch die Basilika Vierzehnheiligen und die Basilika Gößweinstein in Bayern beschäftigen Kirchenschweizer.

SommerZeit 2019 (c) Robert Boecker

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