(c) Jan Sting

Kleiner Laden – große Wirkung

  • 18.06.20 13:00
  • Jan Sting
  •   Im Auftrag des Herrn

Ingrid Sinzel und ihre 17 ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen vom Weltladen an Sankt Josef in Langenfeld gehen nach Corona nun wieder zu einem normalen Betrieb über. Immer an  am Dienstag und Freitagvormittag ist der Laden in Schatten von Sankt Josef geöffnet. Freitags sowie auch Samstagvormittag  bis 14 Uhr. Auch neue Kunden brachte Corona: „Eine Kundin hat gesagt, ich bin im Homeoffice und habe den Markt gerade erst entdeckt und finde das ganz toll. Ich möchte Kundin bleiben, weil das viel wichtiger geworden ist als früher", sagt Ingrid Sinzel. Und: „Unser Glück ist, dass wir so treue Kunden haben, die haben uns wirklich die Treue gehalten und uns teilweise zu Hause angerufen, könnt ihr uns ein Päckchen Kaffee vorbeibringen? Das hat sehr gut funktioniert. Wir sind glimpflich davongekommen."

Topseller: Schokolade mit hochprozentigem Kakao

In den Regalen gibt es verschiedene Sorten ökologisch angebauten Kaffees, Cappuccino oder Tee. Beliebt ist die dunkle Schokolade mit hochprozentigem Anteil Kakao und es gibt zahlreiche Geschenke – teilweise aus Recyclingmaterial. Eine Frauengruppe von den Philippinen hat Saftpäckchen aufsammelt, gereinigt und zusammengenäht. „Das wäre als Badetasche ideal", rät Ingrid Sinzel. „In Langenfeld laufen bereits eine Menge damit herum. Die Frauen unterhalten damit ihre Familien." Nicht nur die lokalen Geschäfte und Hofladen haben mehr Solidarität seitens der Langenfelder gefunden. Auch fair gehandelte Produkte sind im Kurs gestiegen. Für die Produzierenden in den armen Ländern ist das überlebenswichtig.  Zum Beispiel in Bangladesch oder Nepal, wo Menschen durch fair gehandelte Produkte als Existenzgrundlage angewiesen sind. „Wenn das wegbricht, ist da die pure Not, dann ist wirklich gar nichts mehr möglich", sagt Ingrid Sinzel. 

Hilfe für 160 Familien

Die wirtschaftlichen Auswirkungen in Folge der Corona-Krise bekämen die Menschen zu spüren. „Sie nähen Masken statt Schals und obwohl der Bedarf hoch ist, kommt es nicht immer zeitig an". so Sinzel. Es hakt auch auf den Transportwegen, dass die Sachen nun länger brauchen auf dem Seeweg. Für Ingrid Sinzel steht fest, dass sich ihr ehrenamtlicher Einsatz lohnt. „Ein Betriebswirtschaftler hat einmal ausgerechnet, dass wir 160 Familien in den ärmsten Ländern unterstützen." Und trotzdem hat sie einen Wunsch, der mit dem Aus des Weltladens verbunden wäre: „Wenn der faire Handel normal liefe, wären wir überflüssig. Dass das noch nicht soweit ist, ist auch eine Ursache für die Flüchtlingsströme."

SommerZeit 2020 (c) Robert Boecker

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