(c) Lars Schäfers

Klosterruine Heisterbach: Zeugnis des Gebets von Jahrhunderten

  • 12.08.19 16:38
  • Lars Schäfers
  •   Glaubensmagnete

Sie wirkt auf den ersten, oberflächlichen Blick fast wie eine Attrappe, die als Filmkulisse dient. Doch diese Chorruine ist echt. Und je länger man die romanische Apsis bestaunt, umso mehr zieht sie einen in ihren Bann. Dabei kann einem auch die Frage in den Sinn kommen, wie das frühere Leben, Arbeiten, Beten und Handeln hier im Mittelalter wohl ausgesehen haben mochte.

Bewegte Vergangenheit

Alles begann damit, dass die Eifeler Abtei Himmerod im Auftrag des Kölner Erzbischofs Philipp I. zwölf Mönche zur Gründung eines Tochterklosters ins Siebengebirge aussandte. 1192 gründeten sie im Tal unterhalb des Petersbergs das Kloster Heisterbach. Doch erst im Jahr 1237 konnte die hier errichtete Abteikirche eingeweiht werden. Mit 88 Meter Länge und 44 Meter Breite übertraf dieser Bau alle romanischen Kirchen Kölns, mit Ausnahme des Doms. Rund 600 Jahre blühte das Leben der Zisterzienser in Heisterbach, bis die Abtei 1803 im Zuge der von Napoleon erwirkten Säkularisation aufgehoben wurde. 1809 kaufte ein französischer Unternehmer die Kirche und begann mit ihrem Abbruch. Die Steine verwendete man zum Bau des Nordkanals zwischen Venlo und Neuss sowie für die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz. Erst 1818 wurden weitere Sprengungen untersagt. Nur die Chorruine blieb übrig. 1820 erwarb der Graf zur Lippe-Biesterfeld das Gelände und legte einen englischen Park rund um die Überreste der Kirche an. Heute kümmert sich die „Stiftung Abtei Heisterbach“ um die Pflege dieses Kulturerbes.

Spiritualität in der Ruine

Auch zu den ursprünglichen gottesdienstlichen Zwecken wird die Chorruine noch genutzt. So feiern die Kirchengemeinden von Königswinter jedes Jahr an Christi Himmelfahrt die heilige Messe hier unter freiem Himmel vor der Ruinenkulisse. Und das nicht ohne Grund: Die Gemeinde bezeugt damit, dass die Waldlandschaft der sieben Berge am Rhein und darin die Parkanlage Heisterbach beileibe nicht nur als Wander- und Naherholungsziel locken. Es ist gerade auch die spirituelle Anziehung, die diesen über Jahrhunderte von Gebet durchwirkten Ort so faszinierend macht.

SommerZeit 2019 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der SommerZeit 2019.

Zur SommerZeit 2019 »