(c) Anita Hirschbeck

Kommt mein Hamster in den Himmel?

  • 19.12.17 11:11
  • Anita Hirschbeck
  •   Im Auftrag des Herrn

Seit 2008 arbeitet Matthias Gill – 54 Jahre, schwarze Haare, dunkle Augen, schelmisches Lächeln – als Diakon im Hauptberuf in der katholischen Kirchengemeinde St. Pankratius am Worringer Bruch. Die Ausflüge zum Bestatter hat er schon mit mehreren Vorschulgruppen organisiert. „Auch Kinder erfahren, dass Menschen in ihrem Umfeld sterben“, sagt er. Außerdem würden sie zum Beispiel über die Medien mit dem Thema Tod konfrontiert. „Gleichzeitig bekommen sie immer seltener Antworten, die noch etwas mit christlicher Kultur und unserem Glauben zu tun haben.“ Eine knappe Stunde zuvor: Hand in Hand laufen die Mädchen und Jungen in dicken Winterjacken vom Kindergarten in Köln-Fühlingen ein paar Straßen weiter zu Bestattungen Schwarz. Bestattermeister Michael Sturch öffnet die Heckklappe des Firmenwagens, im Kofferraum liegt ein Holzsarg. „Das hab ich schon mal im Fernsehen gesehen“, ruft ein Mädchen in pinker Jacke. „Da war eine Frau drin, die hat aber noch gelebt und dann ist die Polizei gekommen.“ „Echt?“, sagt Sturch und beantwortet geduldig alle Fragen.

Das ist Diakon Matthias Gill

Tod kein Tabu

Die Gesellschaft tabuisiere das Thema Tod, findet Gill. „Selbst wenn nur der Hamster gestorben ist, hilft es den Kindern zu wissen: Es gibt einen Ort, wo mein Hamster, meine Oma, meine Tante gut aufgehoben sind.“ Den Menschen diese christliche Botschaft zu bringen, sei seine Aufgabe als Ständiger Diakon. Vor 13 Jahren wurde Gill im Kölner Dom zum Diakon geweiht. Davor hat er als Bildredakteur für Titel wie „Goldenes Blatt“ oder „Echo der Frau“ gearbeitet. Das Diakonat sei für ihn die logische Fortführung seines vorherigen Jobs: „Ich habe darin eine Möglichkeit gesehen, Menschen das weiterzugeben, was mich wirklich berührt hat.“ In seiner Kirchengemeinde hat Gill mittlerweile ein Redaktionsteam mit Ehrenamtlichen aufgebaut. Pfarrbrief, Flyer, Homepage, Facebook – all diese Produkte und Plattformen sollen auch diejenigen erreichen, die nicht mehr sonntags in den Gottesdienst kommen. Ich bin dafür geweiht, für alle da zu sein“, betont Gill. Nach dem Besuch beim Bestatter führt der Ständige Diakon die Kinder auf den nahegelegenen Friedhof. Dort schüttet er Weihwasser in ein Plastikeimerchen, die Mädchen und Jungen dürfen die Gräber besprenkeln. Immer wieder äußerten sich Eltern dankbar über die Aktion, erzählt Gill. „Viele sagen: Den Kindern das zu vermitteln, so wie ihr es vermittelt – das trauen wir uns oft nicht oder wir können es nicht.“ Auf diesem Weg erreiche er auch die Erwachsenen, erklärt Gill. „Als Ständiger Diakon ist es mir wichtig, dass wir in der Gesellschaft weiterhin eine Präsenz als dienende Kirche haben.“

Boten einer neuen Zeit

Der Dienst des Diakons gliedert sich in Caritas, Liturgie und Verkündigung. 1968 führte das Erzbistum Köln als erste Diözese weltweit den Beruf des Ständigen Diakons ein: Damals wurden am 28. April die ersten fünf verheirateten Männer im Kölner Dom geweiht. Ihnen sind allein im Erzbistum Köln bislang mehr als 400 weitere gefolgt. Am 17. Januar 2018 feiert das Erzbistum Köln das 50-jährige Jubiläum mit einem Pontifikalamt im Kölner Dom mit anschließendem Festakt sowie einer begleitenden Ausstellung im Maternushaus.

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