(c) Robert Boecker

Krankenhaus-Clown: Lachen ist die beste Medizin

  • 30.06.20, 12:54
  • Jan Sting
  •   Kurz und Knapp

Sie trägt Ohrringe in Form eines Reißverschlusses, eine bunte Latzhose, und in ihrem Gepäck hat Conny Jonas solche Schätze wie Seifenblasen, Zaubertücher oder Quietschetiere. Die Kerpenerin geht als Krankenhaus-Clownin Cocktelia regelmäßig in die Kinderklinik an der Amsterdamer Straße in Köln. Es ist eine ziemlich komische Visite, über die sich die kleinen Patienten aber ausnahmslos freuen. Noah und Sophie, die sich ein Krankenzimmer teilen, schmausen mit der Clownin Seifenblasen. Und beim Versuch der beiden Fünfjährigen, in die durchsichtigen, fliegenden Klöße hineinzubeißen, lachen auch die Eltern herzhaft mit. Im nächsten Zimmer wartet Meleka (5) aus der Türkei, die gerade Besuch von ihrem Papa hat. Beide werden mit einem Regenbogen verzaubert. Conny Jonas verordnet eine Extraportion guter Laune, wedelt mit dem Zauberstaub und pustet Wünsche-Staub. Auf allen Stationen wird die Kerpenerin schon sehnsüchtig erwartet. So wie von der fünfjährigen Zoe und von Joyce (6). „Wollt ihr einen Hund oder ein Krokodil?“, fragt Cocktelia. „Einen Hund“, rufen beide Mädchen unisono. Und aus Luftballons knotet Cocktelia einen kleinen Dalmatiner.

Als Clown am Grab

Es heißt ja, Lachen ist die beste Medizin. Und Conny Jonas in Aktion hat eine Menge Medizin im Gepäck. „Ein Clown weint mit dem Kind, ein Clown tröstet das Kind, ein Clown lacht mit dem Kind und ist einfach für das Kind da“, sagt Jonas. Für sie hört der Job nicht an der Krankenhauspforte auf. Auch auf dem Friedhof war sie schon – in ihrem Clowns-kostüm: „Ich hab einmal ein Kind zu Grabe tragen müssen, die Eltern wollten, dass ich dabei bin. Der Vater kam aus Irland, und die Kleine habe ich ein halbes Jahr betreut. Viktoria, die wartete immer auf den Clown auf der Intensivstation. Und als sie dann gestorben ist, hat die Mutter mich gefragt, ob ich zur Beerdigung kommen will, aber nicht als Conny, sondern als Clown. Du musst als Clown kommen, weil meine Tochter kennt dich ja nur so. Du musst dabei sein, wir brauchen dich. Und wenn ich einmal als Clown einen Weg gehe, dann gehe ich ihn auch zu Ende.“

Ausbildung zur Komik

Conny Jonas liebt ihren Job. Sie verdient zwar nicht viel Geld und ist auf Spenden angewiesen. Dass sie vor vielen Jahren aber den beruflichen Wechsel wagte, hat sie nicht bereut. In einer Zeitschrift las sie von einer Clownin. Und das ließ sie nicht mehr los. „Dann hab ich eine Ausbildung gemacht und zu meinem Mann gesagt: Das möchte ich machen. Da sagte er: Mach das, kündige und mach dich auf den Weg.“ In Düren lernte Conny Jonas eine Clownin kennen, begleitete sie auf die Kinderstation im Krankenhaus, und dann ging alles sehr schnell: „Ja, und wenn man etwas erreichen will, öffnet sich Türchen für Türchen. Ich habe im Internet recherchiert, habe eine Clownsschule gefunden, die TuT-Schule in Hannover, und da habe ich ein halbes Jahr die Schule besucht.“ Die Schule für Clown, Tanz und Theater bietet immer an den Wochenenden Seminare an, in denen man so etwas wie Summen, Tönen, Trällern, Rufen, Stolpern oder Wiederaufstehen lernt. „Jeder Mensch sollte mal eine Clownsschule besuchen. Es ist verrückt, was so in einem steckt. Und man muss auch eine gefestigte Clownspersönlichkeit haben. Man muss sehr gefühlvoll sein, sehr viel mit Herz arbeiten, aber auch zur Arbeit bereit sein mit den Krankenschwestern im Team. Und ich habe ein Riesenglück, dass ich auf allen Stationen mit ganz großem Herz empfangen werde.“

AdventsZeit 2019 (c) Robert Boecker

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