(c) Robert Boecker

Kunsthaus: Ein (T)Raum für Künstler

  • 29.01.21, 10:27
  • Brigitte Schmitz-Kunkel
  •   Kultur und Kirche

Ich könnt mich dran gewöhnen!“, sagt Elias von Martial trocken. Er schmunzelt, doch der Stolz, mit dem der 24-Jährige sein noch leeres Atelier vorführt, zeigt, dass für den jungen Maler etwas Großes bevorsteht: Der Leverkusener ist einer von zehn behinderten Künstlern, die in diesen Wochen ihr funkelnagelneues „Kunsthaus“ beziehen werden. Mitten in Brauweiler, am Guidelplatz in direkter Anbindung zu Abtei und Landschaftsverband Rheinland, hat die Gold-Kraemer-Stiftung seit 2017 einen Gebäudekomplex mit 35 frei vermietbaren barrierefreien Wohnungen, Ladenlokalen und dem mit bunten Farben akzentuierten Atelierhaus gebaut.

Das eigene Werk ernst nehmen

Unter der künstlerischen Leitung von Melanie Schmitt hat dieses einmalige Projekt mit bis zu zwölf Ateliers Form angenommen. Drei intensive Jahre lang konzipierte die Kunstpädagogin eine Einrichtung, von der schon der 2007 verstorbene Stifter Paul Kraemer geträumt hatte: ein Ort, an dem Kunstschaffende mit einer Beeinträchtigung selbstbestimmt auf professionellem Niveau arbeiten können. Auf 580 Quadratmetern werden sie dabei in ihrem spezifisch künstlerischen Bedarf unterstützt – von der Materialbeschaffung bis zum Netzwerken und Fortbilden, vom Austausch mit Kunsthochschulen und Sammlern bis zu Ausstellungen in Galerien und Museen. Um potenzielle Kandidaten aufmerksam zu machen, musste Schmitt die Information über das geplante Kreativzentrum erst einmal breit streuen, denn „viele nehmen sich ja gar nicht als ernst zu nehmende, professionelle Künstler wahr“. Elias von Martial wurde von seinem Vater mit der Anmeldung überrascht; eine hochkarätige Fachjury, darunter die Leitungen des Max Ernst Museums Brühl und des Arp Museums Rolandseck, sichtete die Qualität der eingereichten Mappen und wählte unter 50 Bewerbern zehn bildende Künstlerinnen und Künstler aus.

Atelier mit Zukunft

 (c) Robert Boecker

Was zählt, ist die Kunst. So lange er denken kann, hat Elias von Martial gezeichnet und gemalt, immer und überall. Neben der Schule, wo ein Kunstpädagoge sein besonderes Talent durch zusätzlichen Unterricht förderte, im Urlaub und natürlich auch am Feierabend. Seine Motive findet er im präzise beobachteten Alltag, in der Natur oder im Internet; mit Aquarellstiften malt er kleinere bis mittlere Formate. Der Kunst in jeder Hinsicht Raum geben zu können, sei „für viele ein Geschenk Gottes“, so Melanie Schmitt.

Bei der Planung des Projektes und der Wahl ihres Ateliers hatten die Künstler Mitspracherecht – denn sie sind die Fachleute. Auf das gemeinsam erarbeitete Modell des „Kunsthauses“ ist von Martial stolz. Auch die anderen Kreativen werden hier den adäquaten Raum für ihre Bilder, Objekte, Skulpturen oder Fotografien bekommen. „Wir haben genau geschaut: Was machen die Künstler, was können und was brauchen sie, welchen Bedarf hat der behinderte Künstler?“, erklärt Melanie Schmitt. „Die Stiftung will ihnen eine breite Plattform für ihre Zukunft und Entwicklung geben“, ergänzt Pressesprecher Peter Worms. Und Elias von Martial bringt es mal wieder auf den Punkt: „Wenn ich was brauche, kann ich das sagen – das ist ja der Traum von jedem Künstler.“

AdventsZeit 2019 (c) Robert Boecker

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