Die Hundertwasserkirche in Bärnbach (c) picture-alliance_Arco-Images_GmbH_Lenz

Kunstwerk und Gotteshaus

  • 20.11.16 21:02
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

"Eine Kirche muss schön sein, man muss sich in ihr geborgen fühlen und es soll in ihr eine Atmosphäre herrschen, in der man eine Brücke zur Natur, zur Schöpfung und zu Gott findet. Gott soll gerne in ein Gotteshaus gehen, das die Menschen gebaut haben, um ihm dort zu begegnen. Gott ist ein Schöpfer. Wenn der Mensch seine Funktion als Ebenbild Gottes erfüllen will, muss er auch schöpferisch sein." Das sagte Friedensreich Hundertwasser kurz nachdem er die Um- und Neugestaltung der St. Barbara-Kirche in Bärnbach vollendet hatte. Es sollte neben vielen anderen Gebäuden, seine einzige Kirche bleiben.

Ein ungewöhnlicher Auftrag

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Die Hundertwasserkirche ist eine relativ junge Kirche, denn erbaut Ende der 1940er Jahre behielt die Stadtpfarrkirche nur 37 Jahre ihr ursprüngliches Aussehen. Dann erhielt der Künstler Friedensreich Hundertwasser vom damaligen Pfarrer der St. Barbara-Kirche Friedrich Zeck den Auftrag, seine Version einer Kirche in Bärnbach umzusetzen. Zwei Jahre lang, von 1987 bis 1988, setzte der Künstler seine Vision einer Kirche um. Das Ergebnis: Kunstvolle Mosaike aus Keramik und farbig abgesetzte Putzflächen, ein bunt gestaltetes Ziegeldach mit vergoldeten Dachkuppeln. Und weithin sichtbar: der ebenfalls vergoldete Turm, der von vier kleinen vergoldeten Kugeln und der weithin leuchtenden Zwiebel bekrönt wird.

Die biblische Zahl 12

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Hundertwasser gestaltete auch die Außenanlagen neu. Besonders auffallend: die zwölf Torbögen, die für die großen Weltreligionen und Kulturen stehen sowie für Ökumene, Toleranz und Gemeinsamkeit. Im Innenraum der Hundertwasserkirche findet der Besucher zwar ebenfalls viel Kunst vor, die aber überwiegend von regionalen Künstlern geschaffen wurde und nicht vom großen Meister Hundertwasser. Er schuf lediglich das Strahlenkranzkreuz hinter dem Altar, den Boden des Presbyteriums und die Spirale des Fensters hinter dem Taufbecken.

Auffallender und beeindruckender ist aber nach wie vor die „Außenhaut“ der St. Barbara-Kirche. Sie ist mit ihrer außergewöhnlichen aber typischen Hundertwasseroptik ein Beispiel dafür, dass auch ein Gotteshaus bunt, fröhlich und lebensbejahend aussehen kann.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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