Monolithische Kirche in Lalibela (c) picturealliance_axiom-photographic_Alberto-Arzoz

Lalibela - Gotteshäuser in rotem Stein

  • 25.03.17 21:28
  • Martin Mölder
  •   Glaubensmagnete

Um den Mythos ihrer Entstehung zu verstehen, ist eine Zeitreise ins 7. bis 9. Jahrhundert nötig. In dieser Zeit breitet sich der Islam im Osten Afrikas immer weiter aus. Das führt zum Niedergang des christlichen Königreichs Aksum. Weite Teile des Gebietes vor allem an der Küste fallen in die Hand der islamischen Herrscher. Die alten Handelswege sind blockiert und die Königsfamilie rettet sich in den hohen Norden des heutigen Äthiopiens. Im 12. Jahrhundert entstand hier das Königreich Äthiopien mit dem Zentrum Lalibela, benannt nach seinem neuen König. In die christlich-orthodoxe Blütezeit von Lalibela fällt auch der Bau der elf monolithischen Kirchen, jede für sich aus einem Stück in den roten Fels des Hochlandes Äthiopiens gehauen.

Engel haben mit gebaut

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Nirgendwo auf der Welt gibt es vergleichbare Kirchengebäude, denn in Lalibela wurden neben dem Innenraum auch die Fassaden und Mauern der Felsenkirchen aus dem Stein heraus gemeißelt. Der Legende nach haben mehrere zehntausend Äthiopier tagsüber gearbeitet, während nachts Engel mit doppelter Kraft die Arbeit fortgeführt haben. Fakt ist, dass am Rande eines heute kleinen unscheinbaren Dorfes, in dem die Menschen in ihren traditionellen runden Lehmhütten, den sogenannten Tukuls leben, ein Labyrinth von Felsdurchbrüchen, Tunneln, Korridoren und Brücken entstand, das die einzelnen Kirchen miteinander verbindet. Die roten Gotteshäuser selbst erreichen eine Höhe von bis zu zehn Metern.

Die einzelnen Kirchen unterscheiden sich zum Teil stark voneinander. Im Zeitraum von rund 120 Jahren entstanden Gotteshäuser, die an griechische Tempel erinnern oder auch an einen Palast, wie er in Axum hätte stehen können. Ihre originale Ausstattung mit Gemälden, Fresken und Handschriften ist in weiten Teilen noch erhalten. Ein Besuch der Felsenkirchen von Lalibela steht in jedem Äthiopien-Reiseführer als Pflichttermin für jeden Touristen. 1978 wurden die Felsenkirchen von Lalibela zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Aber nach wie vor ist Lalibela auch ein Ort der Andacht und des Gebets, zu dem jedes Jahr tausende orthodoxe Christen pilgern.

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