(c) von Preysing

Malteser-Kinderkrankenhaus in Bethlehem

  • 25.06.19 12:55
  • Robert Boecker
  •   Im Auftrag des Herrn

Die Koffer sind zwar schon ausgepackt, aber der Alltag hat Sophie von Preysing noch nicht ganz wieder im Griff. Zu stark sind noch die Eindrücke, die sie auf ihrer Reise nach Bethlehem geprägt haben. Erst vor wenigen Tagen ist sie aus dem Heiligen Land nach Hause zurückgekehrt, in ihr Haus, das in einem kleinen Dorf vor den Toren Kölns steht und in dem sie mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Kindern lebt. „Ich war eigentlich viel zu lange nicht mehr in Bethlehem. Das wurde mir bewusst, als ich all die lieben Menschen wieder getroffen habe, die ich von meinen früheren Besuchen im Malteser-Krankenhaus zur Heiligen Familie kenne“, sagt die 43-jährige promovierte Juristin, bevor sie von ihrem Projekt, dem Krankenhaus, zu erzählen und zu schwärmen beginnt.

Miteinander der Religionen

Als einziges Krankenhaus für Gynäkologie und Geburtshilfe mit angeschlossener Intensivstation für Neugeborene und Frühchen in der Region ist die Klinik mit ihren 63 Betten Anlaufstelle für Familien aus dem ganzen Westjordanland. 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich in dem Krankenhaus, das Ende des 19. Jahrhunderts von einem französischen Frauenorden gegründet wurde, um die Patientinnen und die Neugeborenen. Dank der Intensivstation für Neugeborene mit ihren 18 Bettchen kann die Einrichtung Babys ab der 23. Lebenswoche retten. Erblickten 1990 noch 870 Jungen und Mädchen hier das Licht der Welt, gehen die Verantwortlichen davon aus, dass es in diesem Jahr mehr als 4400 Kinder sein werden. „Wenn man dort erlebt, mit welchem Enthusiasmus und mit welcher Liebenswürdigkeit die Beschäftigten – Christen und Muslime – miteinander umgehen, dann versteht man sofort, warum viele von diesem Krankenhaus als einem Leuchtturmprojekt für den Frieden sprechen. Dieses gute Miteinander der Religionen überträgt sich nämlich in der Regel auch auf die Patientinnen und deren Familien, die ebenfalls Christen oder Muslime sind“, sagt Sophie von Preysing. Erstmals sei sie auf einer Pilgerfahrt mit ihren Eltern dort gewesen. „Von der Atmosphäre war ich sofort total beeindruckt. Ich habe selten etwas Überzeugenderes gesehen. Damals habe ich nicht geahnt, für diese Einrichtung einmal eine Aufgabe übernehmen zu dürfen.“

Sechs Millionen Spenden im Jahr

Seit 2008 hat sie eine Aufgabe, und zwar eine sehr wichtige: „Ich muss dafür sorgen, dass jährlich mindestens 250 000 Euro aus Deutschland zur Finanzierung des vom Malteserorden getragenen Krankenhauses zusammenkommen“, erklärt die gebürtige Schweizerin, die auch Mitglied des Malteserordens ist. Bei einem Gesamtbudget von sechs Millionen Euro pro Jahr haben sich nach ihren Worten verschiedene Assoziationen des weltweit verbreiteten Ordens verpflichtet, Gelder zur Verfügung zu stellen. Unter anderem brächten die Malteser in Amerika, Frankreich, der Schweiz, Österreich und Irland die erforderlichen Mittel auf. „Die wenigsten Familien im Heiligen Land können die 1000 Euro zahlen, die ein Tag auf einer Frühgeborenen-Intensivstation kostet. Nach Möglichkeit sollen die Familien höchstens 200 Euro pro Tag als Eigenanteil aufbringen. Aber auch dies ist sehr oft nicht möglich. Dann ist eben der Orden gefragt“, so die einfache Erklärung, hinter der sich aber ein großes Engagement verbirgt.

Begeisterung und Erfüllung

 (c) Robert Boecker

Bei ihrem erst wenige Tage zurückliegenden Besuch habe sie am meisten darüber gestaunt, mit welcher Begeisterung die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – trotz Überlastung, Raumnot und beschränkter finanzieller Mittel – ihre Arbeit erfüllt leben. Keiner der Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, mit denen sie gesprochen habe, denke darüber nach, eine andere, vielleicht besser bezahlte Stelle im Ausland anzutreten.

„Die Antwort war immer die gleiche: Dies ist meine Heimat. Hier gehöre ich hin.“ Einen größeren Motivationsschub für ihre ehrenamtliche Tätigkeit in Deutschland zugunsten des Krankenhauses könne es nicht geben: „Ich weiß, wofür ich die Menschen um Spenden bitte – und das macht mich glücklich.“

SommerZeit 2019 (c) Robert Boecker

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