(c) Thomas Manns

Marienkapelle Köln: Die eigene Mitte finden

  • 19.03.19 13:13
  • Claudia Wickert und Thomas Manns
  •   Glaubensmagnete

Ich öffne die Tür zur Kapelle, trete ein. Ein Kreuz darunter das Allerheiligste, der Altar, ein Lesepult. Im Hintergrund Maria mit dem Jesuskind, ein Tabernakel. Ich setze mich auf eine Bank und lasse die Atmosphäre des Raumes auf mich wirken. Langsam werde ich ruhig, ein wenig melancholisch. Ich fühle mich geborgen. Betrachte die Bilder – an den Wänden, auf den Fenstern. Frage mich, wer braucht eine Orgel an einem Ort der stillen Anbetung? Wie viele Menschen kommen wohl her? Wie oft ist Jesus hier alleine? Ewige Anbetung bedeutete im Kloster, dass die Mönche sich im Gebet abwechselten. Es war immer einer da. Wie ist das wohl hier?

Ich schließe meine Augen, lausche und warte, dass die Anderen gehen. Es ist mir noch zu laut, zu voll. Nach und nach verlassen die Anderen den Raum. Es wird noch ruhiger. Das ist ein Ort zum Seele baumeln lassen. Die eigenen Probleme werden klein. Ich bin ganz da, bei Jesus. Hätte ich noch mehr Zeit, hätte ich sie gefunden, meine Mitte…

Vielleicht probieren Sie es einmal selber aus. Die Marienkapelle im Kölner Maternushaus ist rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche und an allen 365 Tagen im Jahr geöffnet. Treten Sie ein, Jesus wartet auf Sie.

Tag und Nacht brennt mein Herz für Gott

 (c) Thomas Manns

Nirgendwo sonst im Erzbistum Köln gibt es das: eine offen Kirche zur ewigen Anbetung für Jeden und zu jeder Zeit. Im Maternushaus ist die Marienkapelle Tag und Nacht geöffnet zum ewigen Gebet. Eine Oase mitten in Köln, eine Oase der Stille, eine Oase der Kontemplation! Der Blick wird direkt zum Allerheiligsten gelenkt, ebenso wie meine Gedanken.

Ganz intim stehe ich vor dem Allerheiligsten, der mir gegenüber ist – in und auf Augenhöhe! Von Angesicht zu Angesicht. Sobald ich den Raum betrete, sehe um mich herum Kunst, Kunst in moderner Gestaltung: Von den Wänden von Georg Meistermann bis hin zum Altar aus verona-rotem Marmor von Elmar Hillebrand. Trotz aller Kunst rückt alles in den Hintergrund und mein Blick fokussiert sich auf die Monstranz. Langsam komme ich in einen Zustand der äußeren Stille und der Anbetung. Nur meine Gedanken bleiben laut, doch ich lege sie langsam vor dem Herrn nieder. Er nimmt sie an, genauso wie mich – so wie ich bin. Als ich hinausgehe, brennt mein Herz.

SommerZeit 2019 (c) Robert Boecker

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