Marie-Luise Marjan (c) Robert Boecker

Marjan: „Helfen macht große Freude“

  • 06.07.21, 15:30
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Als „Mutter Beimer“ in der „Lindenstraße“ wurde Marie-Luise Marjan bundesweit bekannt. Die Schauspielerin ist eine gläubige und sozial stark engagierte Christin. Martin Mölder hat sie getroffen und viel über Ihre Werte, Einstellungen und ihren Glauben erfahren.

 

Frau Marjan, Ende März vergangenen Jahres wurde nach fast 35 Jahren die letzte Folge, Nummer 1758, der „Lindenstraße“ im WDR gesendet. Was vermissen Sie am meisten?

Die szenische Arbeit bei den Dreharbeiten mit den Kollegen fehlt mir. Dadurch sind auch persönliche Freundschaften entstanden. Diese Beziehungen zu den Menschen, die vermisse ich besonders. Wenn das wegbricht, merkt man: Da ist eine große Lücke.

Sie engagieren sich für mehrere soziale Projekte, unter anderem bei Plan International, Unicef und den Maltesern. Warum?

Mit dem Kinderhilfswerk UNICEF hat alles angefangen. Damals sprach mich eine Mitarbeiterin von UNICEF an, ob ich mir vorstellen könne, die Weihnachtskartenaktion mit dem damaligen Kölner Oberbürgermeister Norbert Burger zu unterstützen. Der Erfolg hat mich begeistert, und ich blieb UNICEF treu. Kurz darauf bat mich Plan International, mit ihnen zu arbeiten. Sie schlugen vor, mir ihre Arbeit vor Ort in Indien zu zeigen, und die hat mich sehr beeindruckt. Es geht dort um Hilfe zur Selbsthilfe. Den Menschen wird gezeigt, wie sie etwas selbst gestalten können, zum Beispiel wie man aus Sand Steine macht und aus diesen Steinen Häuser baut. Über eine Kinder-Patenschaft werden nicht nur die Familien unterstützt, sondern das ganze Dorf. In den 30 Jahren bei Plan International habe ich sechs Patenschaften übernommen. Und die Stiftung, die meinen Namen trägt, unterstützt unter anderem benachteiligte Mädchen in der Ausbildung. Ein Mädchen aus Nepal, die mittlerweile 23-jährige Bishnu, hat so ihr Examen zur Rechtsanwältin gemacht. Ich habe Bishnu vor Kurzem getroffen und bin begeistert, welch selbstbewusste Frau sie nun geworden ist.

Seit mehr als 30 Jahren sind Sie Fördermitglied der Malteser und seit elf Jahren engagierte Patin von Malteser-Hilfsprojekten zugunsten von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Was schätzen Sie besonders an den Maltesern?

Schon allein die über 900-jährige Geschichte der Malteser und des bis zum heutigen Tag aktiven Malteser Ritterordens fasziniert mich. Sie sind ja ursprünglich eine Ordensgemeinschaft, die im 11. Jahrhundert in Jerusalem gegründet wurde. Und über die vielen Jahrhunderte richtet sich ihr Tun bis heute auf den bedürftigen schwachen und kranken Menschen. Wir sind mit Gesundheit gesegnet. Aber es gibt so viel Elend auf der Welt, deshalb müssen wir unsere Kraft zur Verfügung stellen und helfen. Dieses Bewusstsein wurde über Generationen immer weitergegeben. Die Malteser sind eine ganz besondere Gemeinschaft von Menschen, die sich mit diesem unglaublich starken Bewusstsein für andere engagieren, das eben in einem starken christlichen Glauben und in der Nächstenliebe wurzelt.

Welche Rolle spielt Ihr Glaube in Ihrem Leben?

Der Glaube ist für mich wie ein Geländer. Daran kann man sich festhalten. Wenn man viele Stufen nach oben geht, wenn man stolpert, hat man immer noch einen Arm, um sich an diesem Geländer festzuhalten. Der Glaube an Gott bedeutet aber auch, dass ich mit offenen Augen durch die Welt gehe, Not und Elend sehe. Und wenn man dann hilft, dann erfüllt das einen auch selbst. Wenn du bereit bist, deine Hand dem anderen zu reichen, bekommst du sie auch von Gott gereicht. Aber du musst sie ausstrecken. Helfen macht große Freude, und genau das begeistert mich bei den Maltesern.

Sie sind ein Fan von Papst Franziskus, richtig?

Ja, sein Bild steht bei mir auf dem Schreibtisch. Er ist ein Papst, der das Leben kennt. Er war lange in den Favelas in Argentinien, er kennt die Ärmsten der Armen. Franziskus hat eine sehr menschliche Art, und ich glaube, dass er bestimmt bereit ist, viel zu reformieren. Aber das kann er nicht allein. Da braucht es wahrscheinlich noch mehrere Generationen, um einen wirklich notwendigen Wandel in der Kirche durchzusetzen.

Wie wichtig ist die Ökumene der christlichen Kirchen?

Warum sollen wir, evangelische und katholische Christen, nicht zusammengehen und gemeinsam stark im Christentum sein? Warum muss man sich noch auseinanderdividieren? Ich finde es gut, dass jeder seine Religion lebt. Ich bin evangelisch, aber ich bin als kleines Mädchen auch in den katholischen Kindergarten gegangen, und mit Begeisterung war ich bei der Fronleichnamsprozession dabei. Ökumene ist wichtig. Die Jugend hat das längst für sich entdeckt, da ist das eine Selbstverständlichkeit. Von denen versteht niemand, warum es ein Problem bei einer Hochzeit sein soll, dass einer evangelisch und einer katholisch ist.

AdventsZeit 2021 (c) Robert Boecker

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