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Mehr Ökologie in der Kirche wagen

  • 19.03.21, 13:31
  • Lars Schäfers
  •   Kurz und Knapp

Schöpfungsverantwortung, und zwar mit klaren Zielen – nachdem das Thema kirchlicherseits lange verschlafen wurde, will er es jetzt voranbringen: Dr. Christian Weingarten, der Umweltbeauftragte des Erzbistums Köln, stellte in dem Workshop „Mehr Ökologie wagen! Was kann die Katholische Kirche in Deutschland zur sozial-ökologischen Transformation beitragen?“ im Rahmen einer Online-Fachtagung zu Misereor-Fastenaktion am 10. März den Status Quo kirchlichen Umweltengagements vor. Es gehe um das hohe Gut der Glaubwürdigkeit der Kirche bei ihrem Schöpfungsengagement, unterstreicht Weingarten gleich zu Beginn. „Schöpfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag“ – mit diesem Titel sind die zehn Handlungsempfehlungen versehen, die die deutschen Bischöfe bereits 2018 veröffentlicht haben, um das Thema in der Kirche in Deutschland voranzutreiben. Die Spanne zwischen denjenigen (Erz-)Bistümern, die sich einsetzen und denen, die noch wenig handeln, sei jedoch nach wie vor sehr groß, so Weingarten. 

Neue Wege gehen

Es gibt (Erz-)Diözesen, die gehen mit guten Ideen und Beispielen voran – es gibt eine Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten, die sich gegenseitig über mögliche Maßnahmen austauschen. Es existieren zudem bereits beachtliche Best-Practice-Beispiele: Es gibt Mobilitätsnetzwerke zwischen Bistümern und kirchlichen Institutionen; es gibt eine eigene ökofaire kirchliche Beschaffungsplattform. Es gibt Initiativen, die sich um Themen wie etwa eine nachhaltigere Beheizung von Kirchen kümmern, und in Baden-Württemberg haben mehrere Kirchen in ökumenischer Zusammenarbeit sogar ein eigenes kirchliches Energieversorgungsunternehmen gegründet. Damit machen diese engagierten Kirchen deutlich, dass ökologische und ökonomische Belange keine Gegensätze sein müssen, wie Weingarten betont. So seien auch in Zeiten rückläufiger Kirchensteuereinnahmen größere Investitionen wie beispielsweise klimaneutrale Neubauten sinnvoll. Die langfristige finanzielle Ersparnis könne für die Kirche beachtlich sein, erklärt der studierte Materialwissenschaftler.

Mehr Mut zur Verantwortung

Es gibt aber auch (Erz-)Diözesen, die die Handlungsempfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz zur Schöpfungsverantwortung noch kaum bis gar nicht für sich betrachtet haben. Während der Staat bis 2050 klimaneutral sein will, sind die Ziele der Kirche mancherorts weniger ambitioniert. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat dagegen bereits ein eigenes Klima-Institut in Heidelberg und ein eigenes Büro für Klimaschutz – sie ist bei der Bündelung und Vernetzung von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen somit schon weiter. Die Katholische Kirche kann also durchaus noch mehr Ökologie wagen. Es gelte, die gesellschaftliche Multiplikatorenrolle der Kirche zu stärken und neben der Bistumsebene auch die Basis in den Pfarrgemeinden für Schöpfungsverantwortung noch stärker zu sensibilisieren und zu unterstützen. Das Thema gehöre außerdem noch beherzter in die kirchliche Bildungsarbeit eingespeist und nicht zuletzt in geistliche Angebote zur Vermittlung einer christlichen Schöpfungsspiritualität. Für das Erzbistum Köln hat Christian Weingarten jedenfalls an einer Vision für mehr Schöpfungsverantwortung mitgearbeitet, deren Umsetzung bis 2030 er forcieren will.

AdventsZeit 2019 (c) Robert Boecker

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