(c) Peter Angenendt

Mit Brahms beim heiligen Hermann-Josef

  • 03.08.22, 10:16
  • Peter Angenendt

Es ist das „Eifelkloster“, weithin sichtbar auf einer Anhöhe der Gemeinde Kall: Kloster Steinfeld zählt zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Region. Die Basilika mit den beiden markanten, weißen Türmen stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Prämonstratenser hatten hier ihre Klostergemeinschaft. Ordensgründer Norbert von Xanten war Wanderprediger der besitzlos umherzog. Ihm schlossen sich Frauen wie Männer an und gründeten zuerst 1120 im Tal von Prémontré bei Laon eine Gemeinschaft.  Diese richtete sich nach dem Ideal des gemeinsamen Lebens im Stil der Urkirche. Auf der Grundlage der Regeln des heiligen Augustinus' bauten sie eine Klostergemeinschaft auf. Norbert behielt sein Leben als Wanderprediger bei und gründete weitere Klöster- Doppelklöster, in denen Frauen und Männer in getrennten Konventen lebten. Die Seelsorge war nach außen gerichtet. Im Laufe der Zeit wurden viele Regeln und Gebräuche nachlässiger gelebt. Das führte zu verschiedenen Reformen und dem Aufkommen von halb-unabhängigen Gemeinschaften. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Orden als Folge von Reformation und mehreren Säkularisationswellen fast ganz verschwunden, und nur noch acht Häuser bestanden. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es dann schon wieder 20 Ordenshäuser mit etwa 1000 Priestern. Heute hat der Orden etwa 81 Niederlassungen und ist auf allen Kontinenten präsent.

Ausflugsziel und spirituelles Zentrum

Das Kloster Steinfeld war zwischenzeitlich Internat und ist heute Tagungszentrum, 2015 öffnete das neue Gästehaus im Kloster Steinfeld seine Pforte. 2019 wurde noch das Gästehaus in der ehemaligen Benediktinerinnen Abtei direkt neben der Klosterpforte mit ins Angebot genommen. Das Kloster ist gleichzeitig Ort der Entschleunigung und der Begegnung. Im Herzen der Nordeifel ist es Ausgangspunkt für abwechslungsreich Ausflüge zu Burgen und Schlössern, Freizeiteinrichtungen und Museen in der Umgebung. Und Kloster Steinfeld ist Etappenziel des Premium-Wanderweges Eifelsteig. Und das Kloster klingt: Station macht dort vom 16. bis 18. September der Komponist der Romantik, Johannes Brahms. Denn der Kölner Pianist und Dirigent Dirk Joeres lädt wieder zu seiner Reihe „Klassik im Kloster Steinfeld“ ein. „Uns geht es bei dem Wochenende um eine Spurensuche“, sagt Joeres. „War Brahms fortschrittlich oder konservativ? Klassiker oder Romantiker? Reservierter Norddeutscher oder lebensfroher Wahl-Wiener?“ Die gegensätzlichen Zuschreibungen ließen sich leicht fortsetzen. Wer also war Johannes Brahms?

Requiem und Klavier

Im Kloster wollen die Seminarteilnehmer ein Bild des Menschen und Komponisten Johannes Brahms gewinnen. Die recht zahlreichen Dokumente seines Lebens und einige Biographien aus der Feder von Zeitgenossen sollen helfen, dem Komponisten näher zu kommen.Im Mittelpunkt steht das Werk, das von Volksliedbearbeitungen bis zu den vier großartigen Sinfonien reicht, Klaviermusik, Kammermusik und Lieder umfasst – und nicht zuletzt Chorwerke, darunter das einzigartige Deutsche Requiem. Natürlich gibt es auch Live-Musik mit der Geigerin Rebekka Hartmann und Pianist Dirk Joeres - von einem Werk des 20-jährigen Brahms bis zu den späten Klavier-Stücken des 60-Jährigen.

Anmeldeschluss ist der 18. August.

Anmledungen und Infos hier

SommerZeit 2022 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der SommerZeit 2022.

Zur SommerZeit 2022 »