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Neue Nachbarn nähen Masken

  • 11.05.20 10:30
  • Jan Sting
  •   Im Auftrag des Herrn

Die Nähmaschine steht bei Imad Hassan und seiner Tochter Aya in diesen Tagen nicht still. Der Schneider aus Aleppo in Syrien kam mit seiner sechsköpfigen Familie als Flüchtling vor fünf Jahren nach Rösrath. Hier fühlt er sich gut aufgenommen. Als kleines Dankeschön näht er nun Masken. Die Familie Hassan nimmt dafür kein Geld. „Deutschland hat mir und meiner Familie, meinen Kindern geholfen. Jetzt helfe ich. Täglich 70 bis 80 Mundschutzmasken näht der Vater von vier Kindern. Über 500 sind es bislang und es geht weiter, wie Tochter Aya bestätigt: „Ja, wir machen weiter, wir sind bereit das zu machen.“ Noch vor Ostern verschickte die Gemeinde Sankt Nikolaus in Rösrath, die die Familie Hassan betreut, bereits 283 Masken an zwei  katholische Krankenhäuser. Das Personal des Sankt Franziskus-Hospitals in Köln freute sich über so viel Solidarität. Für Aya Hassan ist das hingegen eine Selbstverständlichkeit. „Ich finde, das ist nicht so viel. Weil jeder Pfleger oder Arzt, muss die Maske jedes Mal einsetzen und ich finde es gut, wenn man viele Masken hat, dann können die Leute auch mehr wechseln.“

Unterstützung auch vom Erzbistum

Christiane Göbbels, die als Patin die Familie Hassan betreut, stieß über eine Facebook-Gruppe auf das Hilfsgesuch der Krankenhäuser. Sie dachte gleich an die Nähgruppe an Sankt Nikolaus und den Profischneider Hassan Imad. „Ich finde die Idee zu zeigen, dass jetzt was gegeben und nicht nur genommen wird, sondern dass sie gerne geben und helfen möchten und einfach jetzt da sind und wollen und können, das finde ich eine ganz tolle Sache.“ Vom Erzbistum Köln gab es eine neue Maschine, da die Fließbandarbeit auch für einen Profischneider wie Imad Hassan in die Knochen geht. Roland Schauder, Gemeindesekretär und Ehrenamtsbegleiter in der Flüchtlingshilfe, erklärt: „Erfreulicherweise haben wir jetzt die Gelegenheit gehabt, eine professionelle Nähmaschine zu erwerben, mit der der Imad und die Aya richtig gut arbeiten können und freuen uns ganz doll, dass wir das machen konnten, weil die Geräte sind nicht ganz billig. Die Aktion Neue Nachbarn des Erzbistums Köln hat noch einmal tief in die Tasche gegriffen und hat es möglich gemacht, weil sie gesagt haben, dieses Engagement müssen wir fördern, weil es hilfreich ist und nützlich und für einen guten Zweck.“

Gut aussehen, auch mit Maske

Für die Flüchtlingshilfe zieht Roland Schauder nun eine Bilanz: „Die Flüchtlingshilfe ist durch Corona Nachbarschaftshilfe geworden, denn Nachbarschaft kennt keinen Pass.“ Die Krise verbindet, denn Masken braucht jetzt jeder. Christiane Göbbels hat einige Exemplare der Hassans an ihre Kollegen an der Schule weitergegeben. „Die Kollegen waren total begeistert. Wir haben  ganz viele verschiedene Farben und Modelle und das war für alle eine tolle Gelegenheit, sich das schön zu machen, weil die einfach gut aussehen.“ Auch Aya hat einen Favoriten: „Ich mag die schwarze Farbe mit den Punkten, das hat mir gefallen und mein Vater hat es mir genäht.“ Die junge Frau verrät, worauf es beim Maskennähen ankommt: „Man soll auf den Stoff achten, ob er sehr dick oder dünn ist und auf die Gummis, weil manche sind so groß, dann fallen sie runter.“ Gummis sind gar nicht so leicht zu bekommen. Aber wie Roland Schauder verrät, hat Imad Hassan bereits in großen Mengen aus dem Internet bestellt. „Der Imad hat 300 Meter Gummi besorgt. Das heißt. Er hat viel vor.“

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