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  • 20.02.17 23:17
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

Es sind die Farben, sagen die einen. Es sind die Darstellungen, die anderen. Die meisten aber glauben, dass es darüber hinaus etwas Höheres ist, das erst durch den Einfall des Lichts den Betrachter berührt, bezaubert und bewegt. Von außen fallen weder die Chagall-Fenster in der Stephanskirche in Mainz, dem Fraumünster in Zürich oder der Kathedrale St. Etienne in Metz dem Touristen besonders auf. Betritt man jedoch den Innenraum der Kirchen wird man schnell von der Strahlkraft der Chagall-Fenster in eine Art seltsamen Bann gezogen.

Ein Meister der Farben

Blau, grün, gelb, rot – diese Farben wirken in den Kirchenfenstern Chagalls allesamt einzigartig kräftig und leuchtend. Vor allem das Blau, mal tiefes Meeresblau, mal leuchtendes Himmelsblau, beeindruckt viele bis heute. Die Darstellungen von Engeln, Heiligen und dem Gekreuzigten, alle meist mit friedvollen und sanften Gesichtszügen dargestellt, rühren bei längerer Betrachtung an und haben die Kraft, einen normalen Touristen und sei es auch nur für einen Moment in einen gläubigen Menschen zu verwandeln. Wie kommt das und woher? Marc Chagall entdeckt erst spät seine Liebe zur Gestaltung kirchlicher Räume. Als er mit 23 Jahren nach Paris kommt, malt er vor allem grüne Geiger, rote Kühe und jede Menge Liebespaare. Obwohl die Motive der frühen Schaffensphase Marc Chagalls selten religiöse oder gar göttliche Wesen zeigen, ist Marc Chagall von Kind an ein zutiefst gläubiger Mensch. Als Sohn zweier jüdischer Eltern wächst er in einer chassidischen Gemeinde auf.

Die Bibel - poetisch?

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Später ist jedoch nicht nur die Thora für sein Leben prägend, sondern auch die Bibel, für Chagall die größte Quelle von Dichtung überhaupt. Um diese Poesie ausdrücken zu können, bedarf es einer besonderen Begegnung. 1958 lernte Chagall den Glaskunstmeister Charles Marq und mit ihm die Kunst der Glasmalerei kennen. Da ist er fast 70. Von diesem Jahr an haben Marc Chagall und Charles Marq alle Arbeiten an Kirchenfenstern gemeinsam durchgeführt. Chagall hatte eine neue Sprache gefunden für sein altes Thema: die Botschaft der Bibel.

Die erste Frucht dieser langjährigen Zusammenarbeit sind die Fenster für die Kathedrale Saint-Etienne in Metz. Danach folgten weitere Aufträge bedeutender Gotteshäuser und so kann bis heute jeder Besucher dieser Kirchen die Spiritualität Marc Chagalls und seine eigene spüren.

Wo findet man überall Fenster von Marc Chagall?

Bis an sein Lebensende 1985 (mit 97 Jahren) gestaltet Marc Chagall großflächige Glasmalereien in christlichen Kirchen: in Assy (1956/57), Moissac (1962), Metz (1959-68), Tarrytown (1963/64), Tudeley (1967/74/78), Zürich (1969/70), Reims (1973/74), Chichester (1978), Sarrebourg (1976/78), Le Saillant (1978/82) und in Mainz ((1977-84).

Berühmte Glasfenster gelingen ihm zudem in der Synagoge der Hadassah-Universitätsklinik Jerusalem (1960-62), im Haus der UNO New York (1964), in Nizza 1971/72) und Chicago (1976/79).

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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