(c) picturealliance_AP-Photo_Francois-Mori

Notre Dame: Meisterwerk gotischer Baukunst

  • 23.01.17 15:04
  • Martin Mölder
  •   Glaubensmagnete

Das war Bischof Maurice de Sully natürlich noch nicht klar als er 1163 den Grundstein für den Sakralbau legte. Und auch nicht, dass es fast 200 Jahre dauern würde bis sie fertig ist und durch einen Roman mal weltberühmt werden würde, dank Victor Hugos „Glöckner von Notre-Dame“. Ihre Bedeutung für die Architektur der Weltmetropole Paris liegt schon auf dem Vorplatz der Kathedrale, denn bis heute werden von einem als Punkt Null definierten Punkt dort alle französischen Straßenentfernungen berechnet. Was macht aber die Faszination der Kathedrale selbst aus, die Jahr für Jahr mehr als 13 Millionen Menschen besuchen?

Revolution in der Architektur

 (c) picturealliance_abaca_Apaydin-Alain

Es sind natürlich auch die Glocken, Wasserspeier, Fenster und Rosetten, wie sie viele große Kathedralen schmücken, aber vor allem ist es der Kasten Notre Dame selbst. Während im restlichen Europa im 13. Jahrhundert neue Formen der Gotik in Mode kommen, greift Paris diese Strömungen nicht auf, sondern bietet wieder das traditionelle kastenförmige Aussehen der alten Gotik. Konsequent waagerechte Elemente in einem ausgewogenen und ganz genau berechneten Verhältnis.

Beispiel: Die Proportionen der Fassade beruhen auf einer besonderen Anordnung von Quadraten, die Rechteck ungefähr im Seitenverhältnis 2:3 bilden. Hier wurde das Ideal des hl. Augustinus verwirklicht: eine Architektur, deren Proportionen auf musikalischen Konsonanzen (Harmonie von Tönen) beruhten, die ihrerseits die harmonische Ordnung des Universums spiegeln.

Symbolcharakter mal 28

 (c) picturealliance_dpa-zentralbild_Matthias-Tödt

Paris führt aber andererseits in der Fassadengestaltung eine entscheidende Neuerung ein, nämlich die Königsgalerie über der Portalzone als Sinnbild der Vereinigung von Kirche und Monarchie. Die 28 Figuren stellen die Könige von Juda dar. Schon im 13. Jahrhundert hielt das Volk diese für die Könige Frankreichs. Diese Reihung von überlebensgroßen Königsstatuen wird in einigen der bedeutendsten Kathedralen nach Paris übernommen, so in Reims und Amiens.

SommerZeit 2017

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der SommerZeit 2017.

Zur SommerZeit 2017 »