(c) Robert Boecker

Nur Weizenmehl und Wasser

  • 11.09.16 14:50
  • Anna Woznicki
  •   Kurz und Knapp

Die zehn Benediktinerinnen, die hier in Neuss leben, finanzieren sich durch den Verkauf von Kunstgewerbegegenständen und hauptsächlich durch ihre Hostienbäckerei. Sie ist nach eigenen Angaben die größte im Erzbistum Köln. Knapp zwölf Millionen Hostien backen die Nonnen mithilfe ihrer Angestellten jährlich. Bis die Oblaten aus Weizenmehl und Wasser ihrem Zweck dienen können, ist es ein weiter Weg. Die „guten Hostien“ der Benediktinerinnen aus Neuss-Holzheim sind gefragt von Hamburg bis Passau. Neben vielen kleinen und großen Gemeinden sind auch die Justizvollzugsanstalten in Remscheid und Düsseldorf sowie die Flughafenseelsorge Frankfurt und die Steyler Missionare gute Kunden der Benediktinerinnen. Bestellt werden die Hostien heute kaum noch schriftlich, sondern per Online-Bestellformular, das im Internetauftritt der Schwestern bereitgestellt wird.

Ab 4.30 Uhr wird gebacken

„Damit alles reibungslos abläuft, hat jede von uns hier ihre feste Aufgabe. Da gibt es das Koordinieren von Bestellungen, das Verpacken, den Versand – und natürlich vor allem das Backen der Hostien“, verrät Schwester Bernharda und folgt dem Duft, der aus dem Gewölbekeller des Klosters hinaufströmt. „Ja, wer hätte das gedacht, dass Hostien so gut riechen können“, scherzt die 52-Jährige und öffnet die Tür zur Bäckerei. Wo früher, als es noch keinen Strom gab, alles per Hand bedient wurde und sogar heiße Backsteinziegel die Backeisen erhitzten, ist seit vielen Jahren moderne Technik installiert. Wagen voller Oblatenplatten, Wannen mit Teig, ein großer Backautomat mit zwölf Backplatten und Ausstanzmaschinen sind hier im Einsatz. Seit halb fünf Uhr morgens herrscht reges Treiben.

Jede Hostie muss perfekt sein

 (c) Robert Boecker

1600 Hostienplatten werden jeden Tag produziert. Vor zehn bis 15 Jahren waren es deutlich mehr. „Die Zusammenlegung von Gemeinden und die dadurch auch verringerte Anzahl von Gottesdiensten machen sich bemerkbar“, erzählt die Ordensfrau. „Trotzdem ist es in unserem Betrieb nicht ruhiger geworden. Wir haben durch Schließung anderer Hostienbäckereien immer wieder neue Kunden hinzubekommen“, erklärt Schwester Regina, die in der Bäckerei Dienst tut. Gott in der Gestalt der Hostie anzubeten, ist für die Benediktinerinnen vom heiligsten Sakrament Teil ihres Tagesablaufs und Kern ihrer Spiritualität.

Die so genannte eucharistische Anbetung gehört wesentlich zu ihrer benediktinischen Grundhaltung „Ora et labora“ (Bete und arbeite). „Wir beten Christus in der heiligen Eucharistie den ganzen Tag an und wechseln uns darin stündlich ab“, so Schwester Regina. „Anbetung meint, Lob und Dank vor den Herrn zu bringen und ihm die Anliegen und Nöte von Kirche, Welt und allen Menschen anzuempfehlen und in erster Linie, ihn als Gott zu ehren.“

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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