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Nur für Auserwählte

  • 12.06.17 17:50
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

Nur mit einer Sondergenehmigung darf nachmittags noch einmal vier Stunden lang gesucht, bestellt, gelesen und geschrieben werden. Fast jeder von Prof. Wolfs Studenten, die er regelmäßig mit ins Archiv nimmt, versucht, diese Sondergenehmigung zu bekommen. Der erste und zweite Stock und der riesige unter dem Pinienzapfenhof des Vatikans liegende zweigeschossige, unterirdische Teil des Archivs ist für sie aber tabu und bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich den Mitarbeitern des Vatikans vorbehalten. Alleine hier stehen 43 Kilometer Regale mit historischen Dokumenten.

Unheilbar "archivkrank"

Prof. Hubert Wolf, Seminardirektor für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, war mittlerweile schon rund 800 Mal, so schätzt er, im Vatikanischen Geheimarchiv und es sollen noch viele Male mehr werden. Denn auch er ist unheilbar an dem Geheimarchiv-Virus erkrankt, sagt er und lächelt dabei. Er verbringt jedes Jahr gut drei Monate in Rom und fast jeden Tag forscht er in den unergründlich scheinenden Dokumenten und Büchern des Archivs. „Wenn Sie ein Dokument in den Händen halten, das völlig verstaubt ist und Sie das Gefühl haben, dass wahrscheinlich 200 Jahre lang kein Mensch dieses Dokument in der Hand hatte, dann ist das für einen Historiker schon ein großer Moment“, schwärmt Prof. Hubert Wolf. Überhaupt stimmt so gar nichts an der Szene im Hollywood-Blockbuster „Illuminati“, in der der Forscher Robert Langdon im Geheimarchiv nach versteckten Codes und Zeichen sucht.

Mozart, Galileo und Karl May

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Urkunden, früher meist Bullen genannt, Verträge und vor allem Briefe liegen im Vatikanischen Geheimarchiv. Briefe von Wolfgang Amadeus Mozart, vom italienischen Star-Architekten Gian Lorenzo Bernini, von Königen und Kaisern, aber auch von der Jüdin Edith Stein lassen sich im Archiv finden und nachlesen.

Ebenso wie die Prozessakten von Galileo Galilei, die Bannungsbulle gegen den englischen König Heinrich VIII., die Exkommunikation Martin Luthers und eine Korrespondenz darüber, ob Karl May´s „Winnetou“ auf den kirchlichen Index solle oder nicht. Ohne Frage alles historische Schätze von Weltbedeutung. Sergio Pagano, Präfekt des Vatikanischen Archiv, drückt es treffend aus: „Wir sind Hüter der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche, sowohl in den Zeiten, in denen die Kirche die Welt war, als auch danach.“

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