(c) Jan Sting

Ohne Berührung geht es nicht

  • 15.12.20, 15:06
  • Jan Sting
  •   Im Auftrag des Herrn

Es ist hell und freundlich. Vom großen Tisch aus hat man den Blick in die Kirchenkurve und für Beate Heß, die in den Räumen des ehemaligen Eiscafés nun ihren neuen Arbeitsplatz im ambulanten ökumenischen Hospiz Hausbetreuungsdienst ÖHHB hat, steht fest, dass sich die Burscheider Innenstadt sich nun wieder beleben dürfte. „Der Tod gehört zum Leben schließlich dazu.“ An den Wänden hängen farbenfrohe Bilder, die unter anderem die Künstlerin und Sterbebegleiterin Bärbel Kleinert-Dohmesen gemalt hat. Auch eine Einweihungsfeier sei geplant, sagen Heß und John-Enzenauer, wenn es die Situation um Corona wieder zulasse. Aber sie sind optimistisch, dass es wieder aufwärts geht.

Kochen und Trostspaziergänge mit Trauernden

Der Verein will über die Begleitung Sterbender hinaus auch für die Angehörigen und Freunde da sein, die im Alltag und in ihrer Trauer Unterstützung erfahren. Beim Kochen können sie sich mit anderen austauschen. Oder sie machen Trostspaziergänge, bei denen jemand vom Verein dabei ist. Eintreten ist erwünscht. Alles ist barrierefrei: „Wir haben die neue Räume für unser Hospiz mitten  in Burscheid gemietet, damit es für Fußgänger gut zu erreichen ist“, sagt die ÖHHB-Vorsitzende Karola John-Enzenauer. Auf dem Schaufenster steht: „Begegnung, Beratung wir schenken Zeit“. Hinter dem Glas gibt es gemütliche Sessel, die um eine lange Tafel gruppiert sind. Gut sichtbar hinter der Fensterfront sitzt Beate Heß, die die ehrenamtlichen Sterbebegleiter koordiniert. Wir wollen Begegnung schaffen, wir wollen Begegnung ermöglichen und Veranstaltungen möglich machen. Unter anderem mit Hilfe des Klaviers. Geplant ist Kochen mit Trauernden anzubieten, damit Trauernde die Möglichkeit haben, nach der schwierigsten Phase sich um sich selbst zu kümmern. Und man weiß ja, Essen hält Leib und Seele zusammen“, sagt Beate Heß.

Auch junge Menschen ansprechen

Die Zielgruppe ist nach Ansicht von  Karola John-Enzenauer ganz breit gestreut: „Wir sind fest überzeugt, dass wir nicht nur alten Menschen begegnen, sondern junge Menschen aussprechen, dass Krankheit und Tod zum Leben dazu gehören. Das ist ein sehr präsentes Thema.“ In Zeiten von Corona finden die Hausbesuche weiterhin statt, aber unter strengen Hygieneauflagen. Die haben die Arbeit der ehrenamtlichen Sterbebegleiter verändert, wie Beate Heß erfahren hat: „Auch zu Zeit von Corona bemühen wir uns alle, weiterzumachen. Aber wir  merken, dass die Begegnungen tatsächlich anders sind, als gehabt. Weil Berührungen nicht möglich sind. Und das, was einem so wertvoll und wichtig mit den Sterbenden ist, ist derzeit nicht möglich.“ Alle 33 ehrenamtlichen Sterbebegleiter haben sich entschieden weiterzumachen. Sie besuchen derzeit 25 Patienten zu Hause. Für sein soziales Engagement wurde der Verein vor fünf Jahren die Auszeichnung „Burscheider des Jahres“ verliehen. Auch die Angehörigen und Freunde Sterbender können Hilfe in Anspruch nehmen. Vom neuen Büro aus sollen Trostspaziergänge stattfinden, gemeinsames Kochen, Gesprächskreise oder Informationsveranstaltungen zum Thema Demenz. „Uns ist wichtig, dass der  Bevölkerung klar ist, dass Burscheid auch einen ambulanten Hospizdienst hat, wofür er steht und was er anbietet, und man sich erinnert, dass wir da sind, wenn es nötig wird“, sagt Karola John-Enzenauer.

AdventsZeit 2019 (c) Robert Boecker

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