(c) Achim Rieks

„Okzident trifft Orient“ - Lichtinstallation zum 100. Geburtstag von Gottfried Böhm

  • 25.02.20, 14:18
  • Jan Sting
  •   Kultur und Kirche

„Kremlmauer“, wird sie genannt oder „Moschee“ – der weltbekannt Architekt Gottfried Böhm, der im Januar seinen hundertsten Geburtstag feierte, hat mit der Kirche Herz Jesu im Bergisch Gladbacher Ortsteil Schildgen so manchen Spitznamen im Volksmund hervorgerufen. Eine lange Betonmauer verläuft parallel zur Altenberger-Domstraße, dahinter bauen sich verschiedene Türme auf, die ein bisschen an das Spiel „Fang den Hut“ erinnern. Böhm griff darin vor 60 Jahren den Grundriss des Jerusalemer Tempels auf – der Bau hat Bezüge zum Alten Testament.

Eine seiner liebsten Kirchen

 (c) Achim Rieks

Die Gemeinde sowie das Begegnungszentrum Himmel un Ääd haben rund um den Geburtstag Gottfried Böhms eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die bereits mit einer Fotoausstellung über die Bauphase von Herz-Jesu und einer Filmvorführung begonnen hat.

Gottfried Böhm, der 1986 als erster Deutscher den Pritzker-Architekturpreis („Nobelpreis der Architektur“) erhielt, sagte kürzlich über die Herz Jesu Kirche in Schildgen: „Sie ist mir eine der liebsten. Ich habe viele andere Dinge gebaut, die mich nicht so faszinieren“. Bei der Lichtinstallation „Okzident trifft Orient“ verwandelt die Kölner Künstlerin Kane Kampmann die Kirche in einen Raum für Imagination und Begegnung. „Ich liebe diese Kirche, sie ist wunderschön. Zumal ich eine Affinität zur arabisch-islamischen Kultur habe. Ich bin viel in den Ländern gereist. Ich habe schon als Kind nur farbige Puppen gehabt. Ich wollte keine weißen Puppen“, sagt Kane Kampmann. Im Zusammenspiel von Licht, Architektur und Musik sollen die Besucher den Raum der Herz-Jesu-Kirche ganz neu wahrnehmen. Und die wechselnden Bilder auf der langen Mauer, die entlang der Altenberger-Dom-Straße steht, sollen auch vorbeigehende Passanten neugierig machen. Denn auf dem Beton gibt es Lichtprojektionen. „Ich denke in erster Linie grafisch und werde mit Kalligraphien und alten Karten und Plänen aus dem Zweistromland arbeiten. Ich habe uralte Karten aus dem Mittelalter, wo der Osten noch oben war, wo es unsere Orientierung nach Osten hin gab“, verrät Kane Kampmann.  

Mit Kissen und Teppichen wie in einer Moschee

Die meisten Kirchenbänke sollen während des Wochenendes aus der Kirche herausgetragen werden. Die Besucher können im Innenraum auf dem Boden sitzen. „Das soll das Gefühl geben, wie es in einer Moschee wäre. Wir wollen auch ein paar Kissen und Teppiche auslegen. Dieses Verbundensein mit der Erde, wenn man auf dem Boden sitzt, soll das Gefühl fördern, zusammen zu gehören. Für Menschen, die nicht auf dem Boden sitzen können, behalten wir noch ein paar Bänke drin“, sagt Kampmann. Wie Achim Rieks aus dem Kirchenvorstand und Vorsitzender des Cafés Himmel un Ääd erklärt, wird es kleine Leckereien und Getränke geben, bei denen es die Möglichkeit zu Begegnung und Gespräch in lockerer Atmosphäre gibt. Und für Pfarrer Wilhelm Darscheid steht fest: „Wir wollen einladend sein. Auch für Menschen, die vielleicht Vorbehalte haben und sich von der Mauer sonst abschrecken lassen.“ Aber auch für Menschen, die nur vorbeifahren, dürfte die Aktion eindrucksvoll sein. Alle Projektionen werden analog von Hand gesteuert. 

Klavier, Geige und ägyptische Rohrflöte

 (c) Achim Rieks

In der Kirche wiederum verschmelzen die den Raum erfüllenden Lichtbilder mit einem live gespielten Klangteppich aus Motiven westlicher und östlicher Musik. Shota Jincharadze aus Georgien spielt Kompositionen auf dem Klavier. Der Argentinische Geiger Maximiliano Pierroni tritt auf und Rita Williams (Gesang) und Rageed Williams (Ney-Flöte aus Ägypten) werden alte Kirchenlieder auf orientalischen Instrumenten spielen. Der Termin und weitere Veranstaltungen wurden aufgrund der Corona-Pandemie vorerst verschoben auf Freitag, 6. bis Sonntag 8. November.

AdventsZeit 2019 (c) Robert Boecker

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