Papst Benedikt XVI. bei Radio Vatikan im Studio (c) picturealliance_epa_ansa_Osservatore

"On air" mit der Stimme des Papstes

  • 16.04.17 17:55
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Es war ein Donnerstag und es war genau 16.30 Uhr, als Papst Pius XI. die ersten Worte im Studio des neuen Senders Radio Vatikan sprach: „Höret oh Himmel, was ich zu sagen habe. Oh höret alle Völker". Seit diesem Tag hören immer mehr Menschen den Sender, der so nah am Papst dran ist wie kein anderer. Auch wenn das Gebäude von Radio Vatikan heute, 82 Jahre später, nicht im Vatikan, sondern außerhalb auf der Via della Conciliazione liegt – mitten in Rom und wenige Gehminuten vom Petersplatz entfernt. Insgesamt zählt das Team von Radio Vatikan alle anders sprachigen Redaktionen zusammen genommen 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon sind gut die Hälfte Redakteure, die anderen knapp 200 arbeiten in der Technik und der Verwaltung. Viele Millionen Hörer erreicht der Sender, auch an den entlegensten Stellen des Globus. In rund 60 Sprachen wird das Neueste aus der Welt der Kirche ausgestrahlt, darunter auch in Esperanto, Latein, Vietnamesisch und Swahili. Allein die indische Redaktion von Radio Vatikan sendet in vier verschiedenen Sprachen.

Täglich "On air"

Zwei Hauptsendungen sind jeden Tag für die deutsche Redaktion um Redaktionsleiter Bernd Hagenkord zu stemmen. Die Nachrichten mit dem Titel „Treffpunkt Weltkirche“ um 16.00 Uhr mit einer Journallänge von insgesamt 15 Minuten und das tägliche 20-minütige Magazin, das in Deutschland jeden Abend um 20.20 Uhr zu hören ist. Diese Sendung mit Beiträgen, Interviews und Moderation wird am jeweils nächsten Morgen um 06.20 Uhr wiederholt. Wenn in der Zwischenzeit etwas Wichtiges passiert, aktualisiert das Team der deutschsprachigen Redaktion das Magazin. „Deshalb sind wir Journalisten geworden“, sagt der langjährige Redakteur Stefan Kempis, „um so aktuell wie möglich zu berichten und so wahrheitsgetreu und unabhängig wie möglich.“ Diese Unabhängigkeit wird Radio Vatikan oft abgesprochen. Zu Unrecht, wie Stefan Kempis findet. „Wir können hier weitaus unabhängiger und freier arbeiten als manch anderer Sender. Wir sind ein Staatsrundfunk ähnlich wie die ARD und der WDR. Hier sitzt kein Zensor. Für den Vatikan unangenehme Nachrichten werden hier nicht unter den Teppich gekehrt. Auch über die Fälle des sexuellen Missbrauchs haben wir hier berichtet. Diese Freiheit ist mir sehr wichtig.“ Für diese Offenheit kämpft auch der Generaldirektor von Radio Vatikan und Leiter des vatikanischen Presseamtes, Pater Federico Lombardi.

Ein Chef zum Anfassen

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„Pater Lombardi sehen wir öfter und sitzen mit ihm auch schon mal beim Bier zusammen und plauschen. Natürlich gibt es dann auch mal Informationen exklusiv“, lächelt Stefan Kempis und erzählt von vielen Begegnungen mit dem emeritierten Papst Benedikt XVI., der bereits als Kardinal Joseph Ratzinger und Chef der Glaubenskongregation regelmäßig zu Gast im Studio war und auch als Papst die Redakteure von Radio Vatikan stets geschätzt hat.

Stefan Kempis hat als Begleiter auf vielen Reisen mit Benedikt, aber auch seinem Vorgänger Papst Johannes Paul II. besondere Momente erlebt. Auch deshalb empfindet er seine Arbeit als Redakteur als Geschenk. Mittlerweile übernehmen viele Sender das Programm von Radio Vatikan zeitversetzt. Dadurch ist Radio Vatikan nicht nur über die eigenen Kurz- und Mittelwellefrequenzen zu hören, sondern hat seine Verbreitungswege erheblich vergrößert – auch dank digitaler Technik und des Internets. Deshalb wissen viele Millionen Hörerinnen und Hörer nicht nur, was im Vatikan und in der Weltkirche passiert, sondern auch, wie die Glocken von St. Peter in Rom klingen.

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