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Paulo Coelho: Psychiatrie, Lokalzeitung und Theater

  • 09.07.19 15:25
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

4. Kapitel: Jugend

Einen Hang zur Exzentrik und Mystik hat Paulo Coelho bereits früh. So glaubt er fest an die Existenz des Todesengels, der immer, wenn er auftritt, wie der Teufel selbst, ein Leben fordert. Als sein Todesengel ihm bereits im jugendlichen Alter erscheint, bekommt er es derart mit der Angst, dass er der Ziege des Nachbarn die Kehle durchschneidet. Das besänftigt den Todesengel und er entschwindet wieder. Diesen Vorfall bekommen Paulos Eltern nicht mit, die Folgen des Unfalls in der Nacht zum Karnevalsdienstag 1965 dagegen schon. In dieser Nacht setzt sich Paulo Coelho völlig betrunken ans Steuer des Autos eines seiner Freunde, ohne jemals vorher gefahren zu sein und fährt einen Jungen an. Obwohl der mit viel Glück überlebt, ist das Fass an  Verständnis für die Eskapaden ihres Sohnes bei seinen Eltern schon randvoll.

5. Kapitel: „Schreibkunst“

In dieser Zeit arbeitet Paulo Coelho als Nachwuchs-Journalist für die Lokalzeitung „Diário de Notícias“. Er geht in dieser Arbeit, für den er noch nicht einmal Geld bekommt, völlig auf, schreibt jeden Tag über dies und das und zwangsläufig hat das wieder Auswirkungen auf seine schulischen Leistungen. Als ihn ein Freund um ein Empfehlungsschreiben seines Vaters für eine Stelle bei einer Bank bittet, bekommt Paulo eine Abfuhr. „Wie kommst du auf die Idee, dass ich deine nutzlosen Freunde auch noch unterstütze“, entgegnet ihm Dr. Pedro Coelho und stellt Paulo damit vor ein Problem. Seinem Freund die Abfuhr weiterleiten, will er auf keinen Fall und nach kurzem Überlegen hat er die Idee: Er schreibt ein Empfehlungsschreiben voll des Lobes über den Freund und unterschreibt im Namen des Vaters. Weil das Schreiben aber derart positiv war, ruft die Bank Paulos Vater an, um sich zu bedanken. Die Bombe platzt, das Fass läuft endgültig über und Paulo landet in der Psychiatrie.

6. Kapitel: Dr. Benjamin

Insgesamt drei Mal wird Paulo Coelho in seinem Leben im Krankenhaus des Arztes Benjamin Gaspar Gomes Zeit verbringen. Beim ersten Mal liefern ihn seine Eltern mit dem Vorwand ein, dass es um Paulos Asthma gehe. Aber als er die Eisengitter vor den Fenstern sieht, ist dem 17-jährigen schnell klar, dass es sich bei diesem Krankenhaus um keine normale Klinik handelt. Er wird im neunten Stock der riesigen Anstalt untergebracht, bei den so genannten „sanften Verrückten“. Schizophrenie, Depression, Panikattacken – das sind hier die gängigen Krankheitsbilder. Als Paulo Coelho nach vier Wochen seines ersten Aufenthalts die Psychiatrie verlässt, glaubt er nach wie vor „nichts zu haben“. Dagegen steht in seiner von Dr. Benjamin verfassten Krankenakte: „Patient mit schizoider Persönlichkeit, sozialen, und affektiven Kontakten gegenüber abweisend. Beschäftigt sich vorzugsweise allein mit sich.“ Und so ganz falsch liegt Dr. Benjamin mit dieser Diagnose nicht.

7. Kapitel: Theater

Das Ende des Jahres 1965 stellt eine Art Weichenstellung im Leben des Paulo Coelhos hin zur Kunst und zum geschriebenen Wort dar. Er beginnt, Theaterdrehbücher zu schreiben, Theater zu spielen und als Regisseur zu arbeiten. Parallel schreibt er nach wie vor für verschiedene Zeitungen. Was bleibt, sind seine mehr als mäßigen Leistungen in der Schule. Aber dann, fast wie durch ein Wunder, nach vielen qualvollen Schuljahren schafft Paulo Coelho doch den Abschluss am Gymnasium und die Aufnahmeprüfungen für gleich drei Studiengänge: Jura, Kommunikationswissenschaften und Theaterregie. Er entscheidet sich, zur Überraschung seiner Eltern für Jura. Aber auch während der ersten Zeit seines Studiums, verbringt er weit mehr Zeit auf und neben der Theaterbühne als im Hörsaal und liest nach wie vor ein Buch nach dem nächsten – zwischen seinem 17. und 21. Lebensjahr sind es mehr als 300.

AdventsZeit 2019 (c) Robert Boecker

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