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Pilgern mit dem Bike

  • 21.06.17, 12:57
  • Martin Mölder
  •   Kurz und Knapp

„Wenn wir mit mehr als 1000 Bikes auf den Kapellenplatz knattern, dann ist das schon ein Heidenlärm – und ein unbeschreiblich tolles Gefühl“, sagt Jenny Holtappels, Schriftführerin des Vereins „Motorradfahrer-Wallfahrt“ Kevelaer, und ihre Augen strahlen dabei. Seit sie 18 Jahre alt ist, steht diese besondere Wallfahrt in ihrem Jahreskalender. Mittlerweile ist sie im Vorstand des Vereins und organisiert die Wallfahrt maßgeblich mit. „Wir beginnen schon im März mit den Vorbereitungen, denn alleine die Genehmigungen bei den Behörden brauchen halt ihre Zeit.“

Bürger kämpfen für Biker

Das alles lohnt sich dennoch, sagt Jenny Holtappels, viel wichtiger ist, dass das Wetter mitspielt. In den Jahren 2008 bis 2011 war das nicht der Fall und Regen ist selbst für die treuesten Motorrad-Wallfahrer ein Grund zu Hause zu bleiben. Weil das in diesen Jahren eine ganze Menge waren, klaffte 2012 ein riesiges Loch in der Kasse des Vereins und die Wallfahrt stand ernsthaft auf der Kippe. „Da zeigte sich, wie wichtig die Motorradfahrer-Wallfahrt mittlerweile auch für die Kevelaerer ist“, erinnert sich Jenny Holtappels. Denn initiiert von der Kirche und dem Vorstand des Vereins spendeten viele Bürgerinnen und Bürger und ansässige Firmen so viel Geld, dass es gemeinsam mit Sponsoren gelang, die MoWa, wie sie die Biker selbst nennen, zu retten. Und dieser Kampf wurde belohnt. In den vergangenen Jahren war Petrus gnädig und die Motorradfahrer konnten meist im Trockenen und bei Sonnenschein ihre Zelte auf dem Zeltplatz auf- und abbauen.

Biker aus halb Europa

Der Zeltplatz ist jedes Jahr das Zentrum, ja das Herz des Bikerlebens während der Wallfahrt. Viele kommen bereits ein, zwei Tage früher, um in Ruhe und an einem schönen Plätzchen ihre Zelte aufzubauen. Viele haben außerdem ihren Grill dabei und natürlich auch den einen oder anderen Kasten Bier. Aber für die meisten der Biker ist die MoWa nicht bloß ein Motorradtreffen wie viele andere auch, sondern ein spirituelles Event. Aus Bremen, Berlin, Bayern, aus dem Osten Deutschlands und auch aus den Benelux-Staaten kommen viele Biker. Aber auch aus Norwegen und Schweden machten sich in der 33-jährigen Geschichte schon Gäste auf den Weg nach Kevelaer. 400 bis 600 Biker, schätzt Jenny Holtappels, sind Stammgäste der Motorradfahrer-Wallfahrt. An Motorrad-Fabrikaten ist bei dieser Wallfahrt alles am Start. Der Motorroller ebenso wie die schwere Harley. Yamaha, Kawasaki, Honda, BMW, Moto Guzi, Ducati und sogar die normalerweise von manchen Bikern eher belächelten Goldwing-Maschinen, die „fahrenden Wohnzimmer“ gehören ebenso zur Wallfahrtsfamilie wie Trikes, die lediglich wegen ihrer Größe einen eigenen Parkplatz beanspruchen. Höhepunkt der Motorradwallfahrt ist die Lichterfahrt: „Ich bekomme dabei jedes Mal eine Gänsehaut und Tränen in den Augen, wenn wir alle zusammen mit unseren Mopeds an diesem Abend in Kevelaer ankommen“, sagt Jenny Holtappels und damit ist sie nicht alleine.

SommerZeit 2020 (c) Robert Boecker

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