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Plastik: So gefährlich wie notwendig

  • 24.04.18, 13:00
  • Lars Schäfers
  •   Kurz und Knapp

Es scheint ein neuer Etappensieg der Anti-Plastik-Bewegung zu sein. Und diese wächst, denn die Probleme mit dem Kunststoff gelangen immer mehr ins Bewusstsein der Menschen. Und in der Tat gibt es viele gute Gründe, auf Einwegplastik zu verzichten. Immer mehr Plastikmüll sammelt sich in den Flüssen und Ozeanen der Welt. Nach einer Studie von amerikanischen Forschern der University of Georgia aus dem Jahr 2015 gelangen im Schnitt acht Millionen Tonnen Plastikabfälle ins Meer. Das seien fünf Tüten voll Plastik an jedem Fuß Küstenlinie der Welt – mehr, als man zuvor gedacht hatte. Bei den Vereinten Nationen wird bereits ein weltweites Verbot der Plastikverschmutzung der Weltmeere diskutiert. Plastik ist im Alltag der Menschen allgegenwärtig. Dass manche Bestandteile von Plastikprodukten potenziell gesundheitsschädlich sind, auch dafür werden sie zunehmend sensibilisiert. So steht bei Verbraucherschützern unter anderem der Kunststoff PVC in der Kritik, weil er mit giftigem Chlor hergestellt wird. Auch manche der Weichmacher, die Plastik zu mehr Elastizität verhelfen, können sich negativ auf das Hormonsystem und die Fortpflanzungsfähigkeit der Menschen auswirken.

Plastik rettet Leben

Nicht jeder will Plastik einseitig schlecht reden. Der Chemiker und Ökodesign-Experte Michael Braungart plädiert im Interview mit der Zeit dafür, Plastik mehr zu feiern statt nur zu dämonisieren. Plastikverpackungen helfen dabei, sichere und gesunde Lebensmittel zu garantieren. Plastik ist nicht nur leicht, fest, formbar und beständig. Plastik rettet Leben: Nahrungsmittel können mithilfe des Kunststoffs unversehrter aufbewahrt werden, was Krankheits- und Krebserreger in der Nahrung minimiert. Der Siegeszug des Plastiks seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat daher auch zur gestiegenen Lebenserwartung der Menschen beigetragen. Im Übrigen sollte das gesamte weltweite Müllproblem angegangen werden, ohne sich nur auf das Plastik zu versteifen, fordert der Umweltschützer Braungart.

Ein Plastik verspeisendes Enzym

Die einst geradezu revolutionären Vorzüge von Plastik fallen in aktuellen Debatten tatsächlich zu sehr unter den Tisch. In den 1940er Jahren galt es noch als Wundermaterial, dank dem Produkte wie Kämme, Pflaster oder Zahnbürsten fortan für jeden verfügbar waren. Angesichts der Probleme für Umwelt und Gesundheit scheinen Vorstöße wie der von Taiwan derzeit aber eher Grund zum Feiern zu sein. Doch kann es ein Zurück in eine Welt ohne Plastik überhaupt geben? Und sollte der mündige Verbraucher nicht eher durch mehr Verpackungsvielfalt selbst entscheiden, ob und wie viel Plastik er konsumieren will? Damit sind die bestehenden Umweltprobleme aber noch nicht gelöst. Aufhorchen lassen indes britische Wissenschaftler der Universität Portsmouth: Das Team von Professor John McGeehan hat ein Enzym entdeckt, das Plastik innerhalb weniger Tage auffressen kann. Es könnte womöglich bald in der Entsorgung von Plastikmüll eingesetzt werden. Das könnte eine Lösung sein, die Frieden mit dem zutiefst zweiseitigen Phänomen Plastik schließt.

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