(c) Jan Sting

Reparieren statt Wegwerfen

  • 12.07.17 09:44
  • Jan Sting
  •   Im Auftrag des Herrn

Weg von der Wegwerfgesellschaft – dieser Appell, der zur Bewahrung der Schöpfung beitragen dürfte, beschränkt sich nicht nur auf den verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln. Auch löchrige Kleidung, defekte Elektrogeräte oder Spielzeug können wieder gebrauchsfähig gemacht werden. Vorausgesetzt, es gibt jemanden, der sie reparieren kann. Im Reparatur-Treff im Sindorfer Jugendzentrum haben sich gut 15 Ehrenamtliche des Kerpener Netzwerk 55 plus zusammengetan, um immer am ersten Samstag im Monat zwischen 14 und 18 Uhr an der Hüttenstraße 86 bis 88 zu schrauben, löten, stopfen oder einfach nur zu erklären, wie man‘s macht. Das Angebot wird rege genutzt. Im ersten Jahr wurden schon über 170 defekte Gegenstände repariert. Nur wenige Sachen waren irreparabel. Dafür war die Bandbreite der zu bearbeitenden „Sorgenkinder“ umso größer: So seltene Dinge wie eine Wurstschneidemaschine wurden schon vorbeigebracht. Oder einfach die defekte Fahrradlampe.

Hilfe auch für Teddybären

 (c) Jan Sting

Margret Sand arbeitet in der Reparaturwerkstatt im Textilbereich. Egal, ob kaputte Reißverschlüsse oder Mottenlöcher – die Seniorin gibt nicht so schnell auf. Allerdings möchte sie nicht, dass die Besucher des Treffs ihren ehrenamtlichen Service als kostenlose Änderungsschneiderei verstehen. „Ja dann sag ich, Sie müssen nicht helfen, es reicht schon, wenn Sie interessiert gucken.“

Idealerweise aber lerne jeder, der komme, etwas dazu. „Wir wollen den Leuten an die Hand gehen, das und das kann man machen und die Technik erklären.“ Auch als Puppendoktorin hat Margret Sand schon gewirkt. „Wir hatten einen Teddybären, der war ein bisschen schwach auf der Brunst. Den haben wir neu ausgestopft und wieder zugenäht.“ Birgit Große-Wächter von der Stadt Kerpen begleitet das Netzwerk 55 Plus. Der Reparatur-Treff ist für sie auch ein Jahr nach der Premiere ein kleines Wunder, schnell seien ihre anfänglichen Zweifel verflogen, sagt Große-Wächter. „Als sich spontan 15 Reparateure direkt gemeldet haben, habe ich gedacht, das kann was werden.“

Fast alles ist möglich

Für Juze-Mitarbeiterin Daniela Halver hat sich ein lang gehegter Wunsch erfüll. Alte und junge Besucher des Treffs unternehmen etwas gemeinsam. Das funktioniere beim Reparatur-Treff besonders gut. Auch von den Kerpener Bürgern wird das Angebot gut angenommen. Reparateur Gerd Schäfer genießt vor allem das Arbeiten im Team und die ungewöhnlichen Herausforderungen. Besonders hat im der Besuch einer Dame imponiert, die drei defekte Regenschirme im Gepäck hatte. „Den ersten konnte ich nicht reparieren. Den zweiten konnte ich wieder reparieren, aber wieder den Dritten nicht. Und da erzählte sie mir die Geschichte dieser Regenschirme, wie lange sie die schon hat und ein Regenschirm, den konnte ich leider nicht reparieren, der war von ihrer Mutter. Und das fand ich so toll. Und sie sagte mir, den werde sie nicht wegschmeißen, da hänge ich so emotional dran und der kommt wieder bei mir in die gute Stube.“

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