(c) Florian Kopp_MISEREOR

Rotes Wunderpulver für gesunde Hühner

  • 19.03.17 11:38
  • Katrin Gänsler
  •   Im Auftrag des Herrn

Adissa Congos Ruf ist laut, durchdringend und hört sich wie Entengeschnatter an. „Quak, quak, quak“, ruft sie, und von überall kommen ihre Hühner angerannt. Es ist sechs Uhr morgens, die Sonne gerade aufgegangen, und das Federvieh stürzt sich gierig auf die Körner. Am Eingang des kleinen Hofes, der in Toeghin, einem Dorf gut 60 Kilometer nördlich von der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou, liegt, stehen außerdem ein paar Schafe, die ebenfalls auf etwas Essbares warten. Der Hofhund rennt aufgeregt hin und her. Adissa Congo genießt es, inmitten ihrer Tiere zu sein. Ganz besonders mag sie die Hühner und Perlhühner. In Burkina Faso, wo rund 80 Prozent der 19 Millionen Einwohner von der Landwirtschaft leben, ist die Pflege des Federviehs Frauensache.

Eine freudige Entdeckung

Nachdem die Tiere versorgt sind, macht sich die 60-Jährige auf die Suche nach den Eiern. Adissa Congo weiß zwar, wo die Nester sind. Trotzdem gibt es immer mal wieder Überraschungen. Auch in dem Rohbau, der hinter ihrem kleinen Haus steht. Wenn das Gebäude einmal fertig ist, möchte sie dort einziehen. Doch soweit ist es noch nicht. Stattdessen entdeckt sie in einer Ecke ein neues Gelege. „Und wieder fünf Eier“, strahlt sie und hebt eins prüfend hoch. Wie viele es an diesem Morgen genau sind, hat sie noch nicht gezählt. Doch schon jetzt ist sie zufrieden. Das war längst nicht immer so. Geflügelhaltung sieht zwar einfach aus. Etwas Wasser, ein paar Körner, und schon sind die Vögel versorgt.

Existentielle Angst

Als Adissa Congo endlich zurück in ihrem Häuschen ist und das Frühstück vorbereitet, schüttelt sie energisch den Kopf. Krankheiten wie Durchfall machten ihr und den übrigen Frauen aus Toeghin viele Jahre lang große Schwierigkeiten, konnten sie doch innerhalb weniger Tage den ganzen Bestand zerstören. „Hat man zum Beispiel hundert Hühner, dann hat manchmal kein einziges überlebt“, sagt Congo, macht ein abfallendes Gesicht und reibt die Handflächen gegeneinander. Es ist ein herber Verlust. Burkina Faso gilt als eines der ärmsten Länder der Welt, in dem 44,9 Prozent der Bewohner unterhalb der Armutsgrenze leben. Adissa Congo ist seit 2014 Witwe und muss sich alleine um ihre zehn Kinder kümmern. Einige arbeiten zwar schon, doch dafür kommen Enkelkinder hinzu. Sie zeigt auf die drei Jungen Kader, Fatao und Aruna, die gerade auf dem Boden sitzen und bei ihr frühstücken. Auch das hat sie in der Zwischenzeit zubereitet. „Es ist schon schwer, alle zu ernähren. Dann kommen Kleidung und Schule hinzu.“

Hilfe durch Frauengemeinschaft

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Kranke Hühner wurden deshalb stets zu einem großen Problem für Adissa Congo. Doch einen Tierarzt konnte sie nicht anrufen. „Der war anfangs viel zu weit weg und die Medikamente zu teuer“, erinnert sie sich. Die Gewinnspanne ist schließlich begrenzt. Ein Huhn kann sie für 2500 bis 3000 CFA (3,81 bis 4,57 Euro) verkaufen. Perlhühner bringen etwas mehr. Sie musste selbst aktiv werden.

Das wurde möglich, als der Landfrauenverband von Toeghin, der sich 2001 gegründet hat und den Namen Sougr-Nooma trägt, Kontakt zum Misereor-Partner Diobass erhielt. Die nichtstaatliche Organisation unterstützt seit 1997 Ackerbauern und Viehhalter. Wichtig ist, dass Wissensvermittlung auf Augenhöhe stattfindet. Besonders hilfreich ist dafür der Ansatz der Aktionsforschung. Dafür haben sich innerhalb der Bauernverbände 15-köpfige Forschungsgruppen zusammengeschlossen. Sie entscheiden, welche Probleme innerhalb ihrer Kommune besonders gravierend sind und dringend gelöst werden müssen.

Lesen Sie am 24.03. den zweiten Teil der Reportage über Adissa Congo von Katrin Gänsler.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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