Die Schweizergarde (c) dpa_Donatella_Giagnori_Eidon

Schweizergarde - die Leibwache des Papstes

  • 10.10.16 16:55
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Wir schreiben das Jahr 1506. Wir befinden uns in der Zeit der Renaissance, als die ersten Schweizer Soldaten sich vom Alpenland auf den Weg machen. Ihr Ziel: Rom, die Ewige Stadt, eingeladen vom Papst höchst selbst. Am 22. Januar 1506 ziehen 150 Schweizer unter ihrem Hauptmann Kaspar von Silenen aus dem Kanton Uri durch die „Porta del Popolo“ zum ersten Mal in den Vatikan ein und werden von Papst Julius II. gesegnet – der Geburtstag der Päpstlichen Schweizergarde. Der Grund ist denkbar einfach: Die eidgenössischen Soldaten gelten auf Grund ihres Mutes, ihrer Gesinnung und Treue als unbesiegbar.

Meister der Kampfkunst- und taktik

Zu jener Zeit, als das Söldnerwesen üblich war, lebte in den Zentralalpen ein wehrhaftes Volk. Die ersten Schweizer Kantone waren mit ihren zirka 500.000 Einwohnern überbevölkert. Es herrschte große Armut damals zu Beginn des 16. Jahrhunderts und ein Ausweg für gesunde, kräftige Männer aus dieser Situation war der Weg ins Ausland und eine der lukrativsten Aufgaben dort der Söldnerdienst. Die Schweizer Söldner waren die besten Soldaten ihrer Zeit, die auch ohne Kavallerie und mit wenig Artillerie eine geschickte Kampftaktik erfunden hatten, die allen anderen überlegen war. Oft wurden sie von Ländern wie Frankreich oder auch Spanien angefordert. Bis zu 15.000 Schweizer Söldner kämpften dann unter fremder Flagge.

Einmal Gardist - immer Gardist

Schweizergarde beim Konzil (c) dpa

Heutzutage muss die Schweizergarde nicht mehr kämpfen, höchstens für Ruhe und Ordnung rund um den Vatikan sorgen. Dennoch hat sich an den Aufnahmebedingungen seit Jahrhunderten nichts geändert. Ein Schweizergardist muss männlich und zwischen 19 und 30 Jahre alt sein sowie einen Schweizer Pass besitzen. Außerdem muss er römisch-katholisch getauft, ledig, mindestens 174 cm groß und selbstverständlich darf er nicht vorbestraft sein. Wenn er dann auch noch mindestens die Mittelschule oder eine Lehre absolviert hat und körperlich gesund ist, darf er sich Hoffnungen machen.

Hoffnungen zu den 30 Kandidaten zu gehören, die jährlich in diese Eliteeinheit des Papstes aufgenommen werden. Oft bewerben sich mehr junge Männer aus der Schweiz, die alle formalen Bedingungen erfüllen für diesen angesehenen Job. Dann wählen unter anderem der Kommandant und auch der Kaplan der Schweizer Garde die ihrer Meinung nach geeignetsten Bewerber aus. Das geschieht in Vorstellungsgesprächen, in denen vor allem Einstellungs- und Glaubensfragen im Vordergrund stehen, denn Treue und absolute Loyalität zum Papst und der katholischen Kirche müssen für jeden Schweizer Gardisten selbstverständlich sein.

Mehr zur Grundausbildung und zu den Aufgaben der Schweizergarde lesen Sie im 2. Teil am 13.10.2016 hier im Blog „AusZeit“.

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