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Seit 20 Jahren guter Hoffnung

  • 20.04.21, 15:41
  • Markus Harmann
  •   Im Auftrag des Herrn

Katharina Henkel erwartet ihr erstes Kind. Die Schwangerschaft, erzählt sie, laufe völlig problemlos. „Dem Baby geht’s gut, ich freue mich riesig.“ In wenigen Wochen soll es zur Welt kommen. Dass sie und ihr Partner trotzdem Hilfe brauchen würden, damit hätte sie noch vor wenigen Monaten nicht gerechnet. Doch dann verlor sie ihren Job in der Gastronomie, nach mehr als 18 Jahren. Schwanger und arbeitslos – das passte nicht zusammen. So ein Kind sei ganz schön teuer, warnten Freunde. Bettchen, Wickeltisch, Strampler, Windeln ... „Wie sollte ich das finanziell stemmen? Für mich brach eine Welt zusammen. Ich war echt verzweifelt“, sagt die 36-jährige Düsseldorferin. „Ein schreckliches Gefühl.“ Sie wandte sich an die Caritas in ihrer Heimatstadt, und die vermittelte die werdende Mutter an die Schwangerschaftsberatung esperanza des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SkFM). Bettina Stotko leitet die esperanza-Beratungsstelle seit gut einem Jahr. Sie berät viele Frauen, die wie Katharina Henkel nicht weiter wissen, weil das Geld plötzlich nicht mehr reicht. „Dass gerade werdende Mütter in dieser Phase sehr sensibel auf Veränderungen ihres Umfeldes reagieren und oft verzweifelt sind, ist doch völlig nachvollziehbar“, sagt Stotko. 

Hoffnung für viele

„Esperanza“, das ist Spanisch und bedeutet Hoffnung, war im Jahr 2000 vom damaligen Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner ins Leben gerufen worden, nachdem die katholische Kirche in Deutschland auf Weisung von Johannes Paul II. aus dem staatlichen System der Konfliktberatung ausgestiegen war. Der damalige Papst sah durch den Beratungsschein – Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung – das kirchliche Zeugnis für den sogenannten Lebensschutz „verdunkelt“. Esperanza stellt im Gegensatz zu anderen Beratungsstellen diesen Schein nicht aus, trotzdem kommen Frauen und auch Männer in die heute 36 Beratungsstellen im Erzbistum Köln – und zwar von Jahr zu Jahr mehr. Sie melden sich mit persönlichen Konflikten, weil die Frauen ungewollt schwanger wurden und nicht wissen, ob sie ihr Kind bekommen wollen.

Hilfe für Frauen aus aller Welt

„Esperanza war schon immer ein Seismograf für gesellschaftliche Problemlagen oder Phänomene. Mit der Flüchtlingsbewegung 2015 und 2016 stieg zum Beispiel auch der Anteil von Frauen mit Fluchthintergrund“, so Hirsch. Wenn heute immer mehr Väter Elternzeit nehmen und statistisch mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, dann ist das auch in den Beratungsstellen abzulesen: 2018 zum Beispiel holten sich 512 werdende Väter mindestens einen Beratungstermin, 2005 waren es erst 240 Männer. Vor einigen Jahren beobachteten die Beraterinnen, dass immer häufiger Frauen – häufig aus afrikanischen Staaten – mit körperlichen und seelischen Schmerzen zu ihnen kamen, sich aber nicht trauten, über den wahren Grund für ihr Leiden , die weibliche Genitalverstümmelung, zu sprechen. Gemeinsam mit dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Köln startete der Diözesan-Caritasverband daraufhin ein Projekt, das Beraterinnen buchstäblich sprachfähig machen soll. Die esperanza-Welt sei ständig im Wandel und reagiere auf aktuelle Nöte. So begleiten Beraterinnen und Berater Frauen, die anonym oder vertraulich ihr Kind zur Welt bringen wollen. Ebenso werden Kurse angeboten, in denen die Erziehungskompetenzen von Eltern gestärkt werden. Und esperanza ist auch noch weit nach der Geburt für Eltern da: Bis zum dritten Lebensjahr eines Kindes helfen die Beratungsstellen zwischen Wuppertal und Bonn, zwischen Euskirchen und Gummersbach den Familien.

AdventsZeit 2019 (c) Robert Boecker

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