Papst Johannes Paul II. nach seiner Papstwahl (c) picture_alliance_AP-Images

Sensation: ein polnischer Papst

  • 21.07.16 13:18
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Drei Jahre später wird er von Papst Paul VI. in den Kardinalsstand erhoben. Er ist angekommen im Kreise derer, die die Geschicke der katholischen Kirche lenken und derer, die den nächsten Papst wählen dürfen. Im Jahr 1978, dem so genannten Drei-Päpste-Jahr kommt diese verantwortungsvolle Aufgabe auf den Krakauer Kardinal zu. Papst Paul war gestorben und so versammelten sich alle Kardinäle im August 1978 in der Sixtinischen Kapelle in Rom, um einen Nachfolger zu wählen. Ein besonderes Erlebnis und wie Kardinal Wojtyla damals auch glaubt, eines, das so schnell nicht wiederkehren würde. Aber es kam anders.

Der 33-Tage-Papst

Im vierten Wahlgang am 26. August 1978 erhielt der 65 Jahre alte italienische Kardinal Albino Luciani Dreiviertel aller Stimmen. Weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle und alle freuten sich über den Überraschungspapst, der mit seinem offenen Lächeln sofort die Herzen der Menschen gewinnt, auch das von Kardinal Karol Wojtyla. Nur 33 Tage später ist Papst Johannes Paul I., wie Albino Luciani sich in Verehrung seiner beiden Vorgänger nannte, tot. Und so betritt am 14. Oktober 1978 Kardinal Wojtyla mit 110 anderen Kardinälen, darunter unter anderem auch die deutschen Joseph Kardinal Höffner und Joseph Ratzinger, erneut die Sixtinische Kapelle, um hinter verschlossenen Türen über die Besetzung des wichtigsten Amtes in der katholischen Kirche zu beraten.

Dieses Mal kein Italiener

Der Favorit heißt jetzt Giovanni Benelli, Erzbischof von Florenz, ein Italiener, klar. Schon 455 Jahre lang kommt der Papst aus Italien. Warum soll sich ausgerechnet jetzt etwas daran ändern? Aber Giovanni kann in keinem der ersten vier Wahlgänge die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit auf sich vereinen. Danach macht Kardinal Franz König aus Wien den Vorschlag, einmal über einen Nicht-Italiener nach zu denken. Ab dem sechsten Wahlgang votieren immer mehr Kardinäle, vor allem die aus anderen europäischen Ländern und aus Übersee für einen Kandidaten aus Ost-Europa, aus Polen. Nach zwei Tagen und acht Wahlgängen fragt der Dekan des Kollegiums, Jean Villot, Kardinal Karol Wojtyla: "Nimmst du die Wahl an?" und der neue Papst antwortet: "Im Glaubensgehorsam gegenüber Christus, meinem Herrn, und im Vertrauen auf die Mutter Christi und seiner Kirche nehme ich ungeachtet der Schwierigkeiten an."

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