Diakon Bruno Liesenfeld (c) Anita Hirschbeck

Sitzen bleiben! Meditation im Gefängnis

  • 02.01.18 17:13
  • Anita Hirschbeck
  •   Im Auftrag des Herrn

Dort, in der JVA Siegburg schlägt Bruno Liesenfeld seine Klangschale an. Einmal, zweimal, dreimal. Stille. Häftlinge und Ehrenamtliche sitzen auf Yogakissen in der Kirche der Justizvollzugsanstalt (JVA), die Hände auf den Oberschenkeln, die Augen geschlossen. Dreimal 15 Minuten Schweigemeditation – der Ständige Diakon leitet die Häftlinge wöchentlich an. Einmal pro Monat kommen außerdem die Teilnehmer von draußen zur Zen-Gruppe dazu. „Die Inhaftierten gehen nach der Meditation anders auf ihre Zellen zurück“, erklärt Liesenfeld. Der schlanke 63-Jährige strahlt Ruhe aus, während er in seinem Büro im Haus 1 der JVA sitzt, die Beine locker übereinandergeschlagen, die Augen freundlich, das Lächeln entspannt. In ihren Zellen seien die Männer oft stundenlang alleine, sagt er. Meditation könne dazu beitragen, dass sie in dieser Zeit über ihr Leben reflektierten anstatt einfach nur fernzusehen. „Außerdem haben viele im Gefängnis Schlafprobleme. Auch da helfen die Übungen.“

Ökumenischer Auftrag

Seit 13 Jahren arbeitet Liesenfeld, Vater von drei erwachsenen Kindern, als Ständiger Diakon im Gefängnis in Siegburg. Er trifft Häftlinge zu Einzelgesprächen, bietet Malwerkstätten an, gestaltet Gottesdienste in der Gefängniskirche, leitet die Meditationsgruppe und betreut Ehrenamtliche, die in die JVA kommen, damit die Häftlinge nicht den Kontakt zur Außenwelt verlieren. Zur Gefängnisseelsorge gehören neben dem Diakon ein katholischer Pfarrer und zwei evangelische Kollegen. Das beliebteste unter Liesenfelds Angeboten sei die Bibelgruppe, erzählt er. Die Männer lesen Stellen aus der Heiligen Schrift und sprechen dann darüber. „Es geht um das Böse, das Gute, um Heilung und Vergebung,“ erklärt Liesenfeld. „Das sind Themen, die Inhaftierte beschäftigen. Für diese Gruppe muss ich nie Werbung machen.“ Er habe auch Männer erlebt, die bibelfester waren als er selbst. „Wenn jemand schon seit zehn, elf, zwölf Jahren inhaftiert ist – da hat man viel Zeit.“

Einblicke in die Seelsorge hinter Gittern

Echte Seelsorge

Etwa fünf bis acht Häftlinge trifft der Ständige Diakon regelmäßig zu Einzelgesprächen. Die Männer wissen, dass die Inhalte vertraulich sind, sozusagen wie bei einer Beichte. „Inhaftierte kommen mit vielfältigsten Anliegen“, sagt Liesenfeld. Zum Beispiel die Bitte um ein Telefonat, um Kaffee oder Tabak. „Oder auch Anfragen, wo es um wirkliche seelische Nöte geht. Um Schulderfahrung, um Suchterfahrung, um Hoffnungslosigkeit, um Depression“, erzählt der Diakon. „All das, was in einem Gefängnis eben anzutreffen ist.“ In der Kirche der JVA flackert eine Kerze. Einatmen, ausatmen. Die Häftlinge in Jogginghosen, mit kurzrasierten Haaren und Tätowierungen, halten ihre Augen genauso geschlossen wie die Ehrenamtlichen in ihrer Freizeitkleidung. Kein Runzeln auf der Stirn, keine Bewegung, keine Ablenkung. Stille.

Boten einer neuen Zeit

Der Dienst des Diakons gliedert sich in Caritas, Liturgie und Verkündigung. 1968 führte das Erzbistum Köln als erste Diözese weltweit den Beruf des Ständigen Diakons ein: Damals wurden am 28. April die ersten fünf verheirateten Männer im Kölner Dom geweiht. Ihnen sind allein im Erzbistum Köln bislang mehr als 400 weitere gefolgt. Am 17. Januar feiert das Erzbistum Köln das 50-jährige Jubiläum mit einem Pontifikalamt im Kölner Dom mit anschließendem Festakt sowie einer begleitenden Ausstellung im Maternushaus.

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