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Straßenkinder in Ruanda

  • 25.02.19 15:47
  • Maria Gruber
  •   Im Auftrag des Herrn

Sie haben auch bei Regen und Kälte kein Dach über dem Kopf, verbringen fast den ganzen Tag auf der Straße oder auf dem Markt auf der Suche nach etwas zu essen, haben fast die ganze Zeit Hunger, schlafen in Straßengräben oder geschützten Ecken hinter Häusern, fangen sich regelmäßig Krankheiten wie Krätze und kleinere Verletzungen ein und müssen sehr früh selbstständig und „erwachsen“ werden. Das Leben der Straßenkinder in Ruanda ist wirklich nicht einfach – und trotzdem sind die meisten mit ihrer Situation mehr oder weniger zufrieden. Doch was bringt ein Kind dazu, das Elternhaus zu verlassen, und sich selbst den Unannehmlichkeiten des Straßenlebens auszusetzen?

Keine eindeutige Definition

Die Arbeit mit den Straßenkindern ist ein großer und wichtiger Teil meines Alltags hier. Unter den Begriff „Straßenkinder“ fallen nicht nur diejenigen, die längerfristig auf der Straße leben. Viele Kinder kommen aus sehr armen Verhältnissen und können deshalb zuhause nicht genügend Essen, Kleidung etc. bekommen. Deshalb verbringen sie die meiste Zeit auf der Straße, um sich durch kleine Arbeiten und Betteln das Lebensnotwendige dazuzuverdienen. Andere Kinder haben sehr angespannte Verhältnisse zu ihren Eltern oder Verwandten und verbringen deshalb ab und zu einige Nächte auf der Straße, kommen aber meistens wieder zu ihren Familien zurück. Auch sie kann man als „Straßenkinder“ bezeichnen, deshalb ist die Definition nicht ganz eindeutig. 

Kampf gegen Hunger und Kälte

Es gibt hier (zum Glück!) nur eine kleine Zahl an Kindern (weniger als 10), die dauerhaft auf der Straße leben und schlafen. Diese Anzahl schwankt aber. Die meisten dieser Kinder haben sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen und verbringen viel Zeit zusammen. Sie haben ihre Familien aus den verschiedensten Gründen verlassen, beispielsweise weil ein Elternteil gestorben ist und sie von Stiefmutter oder -vater nicht akzeptiert werden, oder weil sie vor häuslicher Gewalt fliehen. Meist spielt auch die Armut der Familien eine große Rolle. Größtenteils haben die Kinder aber noch Eltern oder Verwandte, die in der Nähe wohnen, sie bleiben trotzdem lieber auf der Straße. Dort können sie nach ihren eigenen Regeln leben und müssen sich nicht den familiären Strukturen unterordnen. Das Leben auf der Straße führt zwar dazu, dass die Kinder praktisch dauerhaft Hunger haben und nachts keinen Schutz vor Kälte oder Regen finden, aber es gibt den Kindern auch die Freiheit, immer genau das zu tun oder zu lassen, was sie wollen.

Zufrieden trotz Alltag auf der Straße

Das Ziel ist es eigentlich, alle Kinder wieder in ihre Familien einzugliedern, oder eben andere Familien zu finden, die Kinder bei sich aufnehmen. Die Priester können sich zwar mit den Familien unterhalten und versuchen, Konflikte zu lösen, aber man kann schließlich kein Kind zwingen, dauerhaft bei den Eltern zu bleiben. Die meisten Kinder haben sich schon so sehr an das Straßenleben gewöhnt, dass sie sich nicht mehr an ein Leben in einer Familie anpassen können. Außerdem kommen sie auf der Straße – trotz Hunger und Kälte – gut allein zurecht, haben ihre Freunde und Kontakte und somit keinen Grund, ihre Freiheiten für ein Dach über dem Kopf aufzugeben. Sie sind mit ihrer Situation weitestgehend zufrieden. Alle zwei Wochen sonntags organisieren Cili und ich eine Essensausgabe für alle „Straßenkinder“, also nicht nur für diejenigen, die dauerhaft auf der Straße leben. Das wurde schon von unseren Vorgängerinnen vor zwei Jahren begonnen und wir haben es von Anfang an weitergeführt. Immer abwechselnd gibt es Reis mit Bohnen und Soße oder „Igikoma“, ein Brei, der aus verschiedenen Mehlsorten gekocht wird, mit Brot.

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