Tobias Rosen (c) Hamburg Media School

Tobias Rosen: "Es geht um Menschlichkeit und Nächstenliebe"

  • 27.02.18 11:01
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Herr Rosen,  wie sind Sie auf das Thema des Films gekommen?

Ich hatte immer den Wunsch, meinen Abschlussfilm in Afrika zu drehen. Ich bin in Südafrika aufgewachsen, bin durch Kenia gereist und habe im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia gearbeitet. Ich habe einfach eine enge Verbindung zu Themen, die Länder wie Kenia, Tansania oder auch Somalia betreffen. Und dann lasen wir diesen Zeitungsartikel, in dem dieser Busüberfall geschildert wurde. Da war dann sofort klar: Das ist genau die Geschichte, die wir gesucht haben.

Was waren die größten Herausforderungen bei diesem Film?

Aus Sicht des Produzenten war das eine einzige riesige Herausforderung. Ich hatte das Glück, dass ich die Mentalität, die Kultur und die Leute vor Ort gut kannte und dadurch konnte ich mit diversen Schwierigkeiten doch ganz gut umgehen. Die größte Herausforderung war eine inhaltliche. Wir wollten auf keinen Fall einen Film erzählen, der einen europäischen Blick auf dieses Land wirft, sondern wir wollten diesen Film so authentisch wie möglich machen.

Die Kritiker loben die große Authentizität des Filmes. Wie ist Ihnen das gelungen?

Ich glaube, weil wir mit allen auf Augenhöhe gearbeitet haben und zusammengearbeitet haben. 95% unserer Crew waren Kenianer und es gab einen wirklichen Austausch unter uns.

Es geht in Ihrem Film, um den Konflikt zwischen Christen und Muslimen. Warum haben Sie sich dieses Thema ausgewählt?

In unserem Film schützen die Muslime ja die Christen. Es ist mal ein anderer Blick auf einen Konflikt, der leider ja nicht nur typisch ist für Kenia, sondern für viele Länder der Erde. Und wenn ich mir anschaue, welche Diskussionen nach islamistischen Attentaten hier in Europa geführt werden, dann haben zumindest diese Muslime in dieser realen Situation im Dezember 2015 ihre Antwort darauf gegeben, wie wenig der Islam mit Terrorismus zu tun haben muss. Es geht am Ende um Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Solidarität und Nächstenliebe.

Das päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat Sie bei der Produktion dieses Films unterstützt. Inwiefern?

„Kirche in Not“ hat uns sehr geholfen, indem sie unsere zweimonatige Dokumentationsreise dorthin möglich gemacht haben und sie haben uns die dort entstandene Dokumentation danach auch abgekauft, weil sie die gut fanden. Und dieses Geld konnten wir dann wiederum in den Film fließen lassen. Das war eine große Hilfe.

Sind Sie gläubig?

Ja, ich bin christlich erzogen worden, mein Patenonkel ist evangelischer Pfarrer. Für den Film hat mir das vielleicht einen anderen, tieferen Zugang zu der Thematik ermöglicht und wenn ich merke, dass ich Filme aus dem Herzen heraus mache, dann hat das auch mit meinem Glauben zu tun.

Mit welchen Gefühlen fliegen sie zur Oscar-Verleihung nach Los Angeles?

Mit ganz viel Freude aber nicht nur auf den Moment dort, sondern auch darauf nach der zuletzt so trubeligen Zeit mal runter zu kommen. Und ich freue mich sehr auf das Team, denn viele von uns, gerade von den kenianischen Kollegen werden dabei sein. Wir sind sehr gespannt.

Watu Wote - All of us: Eine wahre Geschichte

 (c) Hamburg Media School

Der Film von Regisseurin Katja Benrath und Produzent Tobias Rosen basiert auf einer wahren Begebenheit. Seit Jahrzehnten wird Kenia von Terroranschlägen der islamischen Al-Shabaab erschüttert. Zwischen Christen und Muslimen wachsen Angst und Misstrauen. Am 21. Dezember 2015 fährt ein voll besetzter Reisebus durch den Norden Kenias, ein unsicheres Gebiet an der Grenze zu Somalia.

Darin: Muslime und Christen. Dann fallen Schüsse. Mit Sturmgewehren greifen islamistische Al-Shabaab-Kämpfer den Bus, zwingen die Insassen heraus und wollen Muslime und Christen trennen. Die Christen befinden sich in Todesgefahr. Aber die Menschen weigern sich, Gruppen zu bilden. Selbst als die Terroristen einige von ihnen erschießen, hält die Schicksalsgemeinschaft zusammen.

AdventsZeit 2017 (c) Robert Boecker

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