(c) Elke Richter

Unterwegs auf dem Camino Portugues

  • 04.09.18 12:57
  • Elke Richter
  •   Im Auftrag des Herrn

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns, oh Gott, nach dir sich zu sehnen, dir nah zu sein, es ist ein Sehnen ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst!“ Dieser Refrain eines Jugendchorliedes war Teil eines „Impulses“, die meine Mitpilger Veronika, Oskar, Martin und ich für unsere Pilgerreise auf dem portugiesischen Jakobsweg vorbereitet hatten. Das Lied habe ich in der Kirche von Esposende mit der mobilen Box von Martin abgespielt. Es beschreibt gut, mit welchen Wünschen und Sehnsüchten wir auf dem Jakobsweg unterwegs waren: Wunsch nach Freiheit, Bewegung, Gemeinschaft, Geborgenheit, Liebe…

Die wirklich wichtigen Dinge

Neben dem wunderschönen Weg, der uns im ersten Teil in Portugal immer am Meer entlang führte und später durch das grüne Galizien von Süden kommend zu unserem Ziel Santiago de Compostela brachte, konnte ich das leckere Essen, den guten Wein (in Portugal Vinho Verde, in Galizien Ribeiro) gemäß dem alten Pilgerspruch „Con pan y vino se hace el camino“  (Mit Brot und Wein macht man den Weg) genießen. Denn Pilgern heißt für mich nicht „Entsagung“, sondern „ja sagen“ zu dem, was der Weg, das Leben zu bieten hat. Die Reduktion findet automatisch mit dem Packen von wenig Gepäck, nur dem Nötigsten an Zubehör (Waschtasche, Schlafsack und Isomatte, Verbandsmaterial, Regencape und wenigen Klamotten) statt. Auch die Unterkünfte sind einfach, aber ausreichend ausgestattet vorhanden.  Es ist gut, die Erfahrung zu machen, dass auch bei nicht durchgetakteten Etappen, nicht vorgebuchten Unterkünften, meist für alles gesorgt ist. Man findet immer ein Plätzchen zum Schlafen und eine Bar, in der man etwas zu Essen bekommt und den Kaffee am nächsten Morgen bestellen kann.

Das Geheimnis des Glücks

 (c) Elke Richter

Wir übernachteten kurz vor Santiago im Franziskanerkloster Herbon, ein wunderschöner Ort, wo die Pilger in den Klosterzellen des ehemaligen Seminars unterkommen. Santi und Mari, die Hospitaleros voluntarios empfingen uns herzlich und versorgten uns gut. In der Messe mit anschließendem Pilgersegen verlas je ein Pilger in seiner Landessprache ein Gebet: „Liebe sei dir das Licht der Hoffnung auf deinem Weg, in deinem Herzen herrsche Frieden. Güte sei das Siegel deines Lebens. Der Glaube stärke dich angesichts des Geheimnisses des Lebens. Und wenn das Ziel erreicht ist, umarme dich die Liebe allezeit. Sei glücklich und mache deine Mitmenschen glücklich.“

So gut bewünscht  konnte ich die 14tägige Pilgerwanderung in diesen wunderschönen, gastfreundlichen Ländern Portugal und Spanien mit meinen Pilgerfreunden Veronika, Oskar und Martin erfahren und bin nun dankbar wieder in meinem Alltag angekommen. Und: Ich fühle schon wieder die Vorfreude auf das nächste Mal, denn nach dem Camino ist immer vor dem Camino. „Ultreya y suseia“.

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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