(c) Yvonne Dömling

Urlaub in Corona-Zeiten

  • 06.10.20, 14:38
  • Yvonne Dömling
  •   Kurz und Knapp

Mehr Zeit für die Familie. Das war die entscheidende Planänderung. Somit sind wir für längere Zeit zu meinen Eltern nach Wien gefahren und anschließend zu den Schwiegereltern zurück nach Deutschland, die ungefähr zwei Stunden von uns entfernt wohnen und wir auch nicht allzu oft sehen. Bei beiden haben wir fast gar nichts außerhalb unternommen, sondern waren viel mehr zuhause im Garten und haben da die freie Zeit zusammen genossen. Dabei ist uns einiges klargeworden. Die Familie ist eines der allerwichtigsten Dinge im Leben und man sollte sich wirklich die Zeit nehmen, gute Beziehungen zu den Familienmitgliedern aufzubauen. Aber wer von uns macht das heutzutage wirklich? Normalerweise hat man wahnsinnig viel zu tun, viel zu arbeiten, viele Termine zu erledigen und wenn man schon mal frei hat, möchte man reisen und viel von der Welt sehen (was auch toll ist). Uns ist nur aufgefallen, dass wir bisher eher das Reisen als Priorität hatten und wir haben für uns erkannt, dass Familie noch wichtiger ist. Nicht, dass wir nicht mehr reisen wollen und natürlich hoffen wir, dass bald alles wieder „normal“ und der Impfstoff gegen das Coronavirus kommt. Aber in Zukunft werden wir uns definitiv mehr Zeit für unsere Familien nehmen wollen. Für uns ist es obendrein auch so, dass diese nicht in der Nähe wohnen und wir sie nur in Urlaubszeiten wirklich sehen können. 

In jeder Krise liegt auch eine Chance

Auch der Lockdown zu Beginn des Jahres, als wir monatelang nur zu dritt daheim waren, hat uns gezeigt, dass es zuhause auch sehr schön sein kann. An den Wochenenden haben wir uns viel mehr entspannen können, als ständig Kurztrips zu unternehmen und erstaunlicherweise haben sich viele tiefere Gespräche ergeben.  So war es im Sommer mit unseren Familien auch. Vorher haben wir nicht wirklich mitbekommen, wie es ihnen wirklich geht. Wenn man sich nur kurz sieht, ergeben sich einfach nicht wirklich tiefe Gespräche und man bekommt die Probleme, die jeder hat, auch nicht wirklich mit. Dieses Jahr war es anders und es war schön zu sehen wie sehr man sich in einigen Punkten gegenseitig unterstützen kann. Und wir haben gemerkt, wie wertvoll die Zeit mit unserem Sohn ist und konnten das Zusammensein mit ihm mehr genießen als auf manchen Reisen. Denn Reisen zu planen, zu buchen, zu packen und alles was dazu gehört, kann auch sehr anstrengend sein, vor allem, wenn man Kleinkinder hat. Natürlich lohnt es sich auch, aber wie wir erkannt haben, hat es manchmal mehr zu Stress als zu Entspannung geführt. Urlaub war für uns bisher irgendwie immer nur mit viel Reisen und vielen Aktivitäten verbunden, aber jetzt haben wir erkannt, dass Urlaub auch einfach gemeinsame Zeit im Garten, um die Feuerschale herumversammelt mit Marshmallows sein kann, beim Abendgebet in der großen Familie oder einfach bei einem Spaziergang zuhause nur zu dritt. Gemeinsame freie Zeit zu Hause mit der Familie – ein größeres Geschenk gibt es nicht. 

SommerZeit 2020 (c) Robert Boecker

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