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Ursache - Wirkung

  • 07.04.17 22:34
  • Martin Mölder
  •   Kurz und Knapp

Vorab: Hinduismus, Buddhismus und Jainismus verstehen alle unter Karma eine Art Ursache-Wirkung-Prinzip. Jede Handlung hat eine Konsequenz. Jede Handlung hat eine Wirkung und Auswirkung auf andere und vor allem auf einen selbst. Diese Grundphilosophie sieht keinen Gott als Richter vor und liegt allen drei indischen Religionen zugrunde. Und auch die Überzeugung, dass die Folge einer Tat auch in einem anderen Leben erst nach der Wiedergeburt auftreten kann.

Bedeutung im Buddhismus

„Wer bin ich - und wenn ja wie viele?“ Auf keine andere Religion und seine Vorstellung eines Karmas passt der Buchtitel des Bestsellerautors Richard David Precht wie auf den Buddhismus. Denn diese Religion stellt das „Ich“ als eigenständige Person bereits in Frage, sondern glaubt, dass dieses „Ich“ die Summe eines ständigen Wechselspiels zwischen Bewusstsein, Willen, Wahrnehmung, Empfindungen und Physis ist. Karma wird im Buddhismus meist negativ interpretiert. Sinnliche Lust gehört dazu, Hass oder Gier. Ziel ist es, Wege aus diesem negativen Karma hin zu positivem Karma zu finden. Dazu zählt unter anderem Güte, Bescheidenheit und Nachsicht.

Karma im Hinduismus

Ziel der hinduistischen Lehre ist es, gar kein Karma mehr zu zu lassen. Im Hinduismus ist der Glaube an die Wiedergeburt besonders stark ausgeprägt und auch die hat mit Karma zu tun. Denn wenn es in diesem Leben nicht gelingt, die Folgen eines bestimmten Handelns auszuhalten, muss das im nächsten Leben geschehen. Der Hinduismus betont aber im Gegensatz zum Buddhismus mehr die positiven Eigenschaften, die Gläubige haben sollten, um schlechtes Karma gar nicht erst entstehen zu lassen. Dazu zählen Gastfreundschaft, Selbstkontrolle, Mildtätigkeit, Wahrhaftigkeit, Gewaltlosigkeit und Geduld. Außerdem kann schlechtes Karma beseitigt werden durch Wallfahrten, Fasten und besondere religiöse Riten.

Karma im Jainismus

Der Jainismus interpretiert Karma noch essentieller als der Buddhismus oder Hinduismus. Karma wird in dieser Religion nicht auf das Ursache-Wirkung-Prinzip reduziert, sondern der Jainismus glaubt viel mehr an so etwas wie Karma-Materie, die uns permanent umgibt und unser ganzes Dasein prägt. Diese Materie steht in einem Spannungsverhältnis zu den Seelen der Menschen, die durch unüberlegtes Verhalten negative Partikel davon in sich aufnehmen. Die Mittel dagegen sind gleichzeitig die erstrebenswerten Ziele des Jainismus: Ewige Glückseligkeit, unbegrenzte Wahrnehmung, unendliche Energie und Allwissenheit.

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