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Viele Religionen in einer

  • 13.02.18 09:39
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Das Besondere an der Bahá’í-Religion ist, dass in ihr andere Religionen ganz selbstverständlich enthalten sind. So gibt es Bahá’í jüdischen oder christlichen Glaubens, die sich regelmäßig in „Häusern der Andacht“ treffen und dort für ihre „geistige Entwicklung“ nicht nur aus den Schriften Bahá’u’lláhs, sondern auch Texte aus der Bibel, dem Koran und den heiligen Schriften anderer Religionen lesen. Oft werden diese öffentlichen Andachten auch mit Gläubigen anderer Religionsgemeinschaften gemeinsam begangen. Gebet, Musik und Meditation gehört zu einer Bahá’í-Andacht dazu. Weil über allem der Geist der Einheit und Liebe schwebt, werden den Kindern der Bahá’í auch die wichtigsten Inhalte der anderen Religionen vermittelt, sodass sie mit 15 Jahren selbst ihre Religionszugehörigkeit bestimmen dürfen. Eine Taufe im christlichen Sinn gibt es bei den Bahá’í nicht.

Weder Priester, noch Imame

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Jeder Bahá’í soll selbständig nach Gott und der Wahrheit suchen und sich für andere Menschen einsetzen. Das ist das Grundprinzip der Gemeindestruktur der Bahá’í. Deshalb besitzen sie keinen Klerus, also keine kirchliche Hierarchie wie zum Beispiel in der christlichen Kirche mit ihren Priestern oder Bischöfen, denn niemand soll zwischen dem Schöpfer und seinem Geschöpf stehen.

An ihre Stelle treten „geistige Räte“, die von der ganzen Gemeinde gewählt werden und vor Ort oder landesweit die Gemeinde leiten und koordinieren. Jeder, der 21 Jahre alt ist und sich offiziell als Bahá’í erklärt, kann in solch einen neunköpfigen „Geistigen Rat“ gewählt werden. Neben diesem Gremium gibt es noch ernannte Berater einer Gemeinde, die aber eben nur beraten, nichts aber entscheiden dürfen. Dennoch sind sie wichtig, denn wie der Sohn Bahá’u’lláhs, ‘Abdu’l-Bahá einmal sagte: „Erst wenn die Meinungen aufeinanderprallen, kann der Funke der Wahrheit sprühen.“

Pilgern zu den heiligen Stätten

Ein Bahá’í sollte zumindest einmal in seinem Leben nach Israel reisen. Nicht in erster Linie, um sich die Grabeskirche in Jerusalem oder den Felsendom anzusehen, sondern um die heiligsten Stätten der Bahá’í zu besuchen. Dazu zählen der Schrein des Báb mit den „hängenden Gärten“ in der Hafenstadt Haifa und vor allem der Schrein Bahá’u’lláhs in Bahji, in der Nähe der Stadt Akko, mit dem Leichnam des Stifters der Religion der Bahá’í. So wie die Muslime stets in Richtung Mekka beten sollen, wenden sich die Bahá’í beim Gebet immer in seine Richtung. Beide Grabstätten wurden im Jahr 2008 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Auch das „Universale Haus der Gerechtigkeit“ in Haifa, das auch Bahá’í-Weltzentrum genannt wird, zählt zu den Orten, die ein gläubiger Bahá’í gesehen und besichtigt haben muss, liegen hier doch die wichtigsten Schriften der Stifter hinter Panzerglas. Aber auch außerhalb Israels und zwar auf allen fünf Kontinenten bezeugen die sogenannten „Häuser der Andacht“ den Status einer Weltreligion. Alle, egal ob in Aschchabad in Russland, in Wilmette, in den USA, in Neu Delhi, Indien oder in Hofheim-Langenhain in Hessen, haben als gemeinsames architektonisches und spirituelles Merkmal neun Eingänge, die die Offenheit allen Religionen gegenüber symbolisieren sollen und eine Kuppel, die für die geistige Einheit der Menschheit und der Religionen steht. Einheit. Ganz im Sinne der Bahá’í.

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