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"Viele sehnen sich nach Stille"

  • 28.08.16 13:11
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Pater Anselm Grün, jedes Jahr erscheinen neu Bücher von Ihnen. Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Werke?

Ich nehme die Inspiration aus Gesprächen mit Menschen. Ich begleite viele Menschen. Da spüre ich oft, was diese Menschen noch brauchen. Meine Bücher sind letztlich eine fortgesetzte Antwort. Ich versuche, in den Büchern eine Antwort zu geben auf die Fragen, die die Menschen mir stellen und die in mir selbst auftauchen, wenn ich mit Menschen spreche. Andere Inspirationen kommen von den Gesprächen mit den Lektoren der Verlage. Die Verlage haben Wünsche und Vorschläge. Da muss ich aber immer auf mein Herz hören, ob diese Wünsche etwas in mir wachrufen oder ob es nur Wünsche von außen bleiben. Ich kann nur schreiben, wenn mich etwas wirklich berührt.

Ruhe, Stille und innere Einkehr - das sind einige Ihrer Themen. Warum fällt es uns in der heutigen Zeit so schwer, genau das zu leben und zu zulassen?

Viele sehnen sich nach der Stille, aber sie sind unfähig zur Stille. Sie haben Angst vor der eigenen Wahrheit. Sie haben Angst, in der Stille könnten negative Gefühle hochkommen, etwa das Gefühl, mein Leben bisher versäumt zu haben oder an mir vorbeigelebt zu haben. Andere haben Angst vor den Schuldgefühlen, die da auftauchen könnten. Jesus sagt: Nur die Wahrheit wird euch freimachen. Nur wenn ich meine eigene Wahrheit anschauen und sie im Licht Gottes annehmen kann, vermag ich wirklich still zu werden und mich in der Ruhe zu erholen.

Wie beurteilen Sie das bisherige Pontifikat von Papst Franziskus?

Ich bin sehr dankbar, dass Papst Franziskus eine neue Sprache spricht und damit das Klima in der  Kirche radikal verändert hat. Seine barmherzige Sprache hat die kirchenrechtliche und moralisierende Sprache früherer Zeiten überwunden. So hoffe ich, dass er noch vieles in der Kirche anstoßen kann, damit sie authentischer und glaubwürdiger wird und die Menschen in ihren Herzen wirklich anspricht.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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