(c) Peter Angenendt

Wallfahrt nach Bergheim: „Alle sind willkommen“

  • 20.05.22, 11:56
  • Peter Angenendt

Wenn ich über die Autobahn fahre, schaue ich auch nicht auf den Rhein. Und wenn ich laufe, gucke ich geradeaus. Wo ist mein Ziel? Ich habe bestimmte Fixpunkte, an denen ich mich orientiere.“ Annemarie Habermann kennt den Weg von Leverkusen Wiesdorf nach Bergheim auswendig. Schon als Kind pilgerte sie mit der Bergheim-Bruderschaft zur Schmerzhaften Muttergottes in St. Remigius in Bergheim. Am 21 Mai geht es wieder hin, und tags darauf wieder zurück. Brudermeister Markus Frimmersdorf organisiert die Pilgerreise vor Christi Himmelfahrt. „Ich muss für die medizinische Begleitung sorgen, für Essen, für Begleitfahrzeuge, den Bus, Schlafgelegenheiten. Messen müssen vorbereitet werden. Es gibt aber viele, die sich daran beteiligen.“ Die Malteser betreuen, sei es, dass jemandem die Puste ausgeht, oder es Blasen an den Füßen gibt. Es wird gelaufen und gebetet, es gibt Stille und den Austausch – mittlerweile gibt es viele „alte Bekannte“. Während der Pandemie starteten gut 30 Pilger an der Wiesdorfer Antoniuskirche, es waren aber auch schon einmal doppelt so viele. Jeder kann mitlaufen, auch Kurzentschlossene. Markus Frimmersdorf: „Alle sind willkommen, wir haben noch Kapazitäten, auch beim Essen und den Übernachtungsmöglichkeiten. Wer Probleme hat, kann zwischenzeitlich in ein Begleitfahrzeug steigen.“

Gänsehaut als Belohnung

Es gab Jahre, da hatte Annemarie Habermann blutige Füße, dann wieder gab es keine einzige Blase. „Es ist immer von der Tagesform abhängig. Aber wir haben eine gute medizinische Betreuung durch die Malteser. Aber Strapazen gehören für mich dazu, ich kann damit umgehen. Dafür bekomme ich den Kopf frei, die Füße gehen den Weg alleine.“ Wenn sich die Pilger am Samstagmorgen um 7 Uhr zur Messe in St. Antonius in Leverkusen treffen, gibt es großes Hallo. Viele alte Bekannte treffen sich wieder. Und man teilt schöne Erlebnisse. Annemarie Habermann weiß: „Mein schönstes Erlebnis ist, wenn wir in Bergheim am Pilgerstock ankommen. Und wenn wir von dort aus zur Remigiuskirche gehen und die Glocken läuten, ist das immer ein Gänsehautmoment.“ 

Die Tradition der Wallfahrt führt die Bergheim Bruderschaft auf das Jahr 1666 und die damalige Pest zurück. Was bewegt in Zeiten von Krieg und Pandemie zur Schmerzhaften Mutter Gottes aufzubrechen? Markus Frimmersdorf: „Es gibt immer Krieg und immer Pandemie überall, irgendwo auf der Welt. Wir beschäftigen uns miteinander und mit Gott, nehmen uns eine Auszeit und hoffen, damit etwas zu bewirken. Die Wallfahrt kann dazu beitragen, uns unseres Auftrags als Christen in der Welt bewusst zu werden.“

Kurzentschlossene können noch teilnehmen an der Pilgerreise nach Bergheim. 

Alle Infos gibt es bei der Leverkusener Bergheim-Bruderschaft

SommerZeit 2022 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der SommerZeit 2022.

Zur SommerZeit 2022 »