(c) Yvonne Dömling

Warum Liebe nicht nur ein Gefühl ist

  • 03.01.19 09:14
  • Yvonne Dömling
  •   Kurz und Knapp

In erster Linie ist Liebe nicht nur ein Gefühl. Verliebtheistgefühle basieren auf Hormone, die biologisch gesehen nach spätestens 30 Monaten nicht mehr nachproduziert werden. Die Liebe ist aber so viel mehr, denn diese beruht nicht nur auf Hormone. Die Liebe ist einerseits das Streben danach, dem anderen Gutes zu tun und andererseits ist es die Freude darüber, wenn der andere glücklich ist.  Das größte Liebeszeichen was ich kenne, ist Jesu Tod am Kreuz. Jesus hat bestimmt nicht die größten Liebesgefühle empfunden, als er sich entschieden hat für uns den Kreuzestod zu erleiden. Wieso hat er das also gemacht? Weil er uns liebt und weil er wusste, dass wir nicht anderes gerettet werden können, deshalb hat er sich freiwillig für uns aufgeopfert.

Dienende Liebe

Die wahre Liebe hat auch in den kleinen Dingen des Alltags sehr viel mit Aufopferung zu tun. Denn wenn ich Gott an erster Stelle und meinen Ehepartner an zweiter Stelle setze, dann muss ich mich logischerweise hintenanstellen. Das bedeutet natürlich, dass ich manchmal auf etwas, worauf ich gerade Lust habe, verzichten muss, um Gott, meinen Ehemann, meinen Kindern usw. meine Liebe erweisen zu können. Liebe bedeutet somit auch einander zu dienen. Für uns als katholisches Ehepaar ist es auch selbstverständlich, dass Gott an erster Stelle steht. Denn man darf nicht vergessen, dass bei der sakramentalen Eheschließung Gott der Dritte im Ehebund ist. Somit versuchen wir ihn immer um Kraft für unsere Ehe zu bitten und danken für alles Gute und Schöne was er uns schenkt. Ich kann wirklich aus tiefstem Herzen sagen, dass ich Gott, meinen Mann und unseren Sohn über alles liebe. Das bedeutet aber nicht, dass meine Familie mich nicht manchmal in den Wahnsinn treibt. Es gibt Tage, an denen mein Ehemann spät nach Hause kommt, unser Sohn den ganzen Tag über quengelig war, ich zusätzlich auch noch krank bin und soweiter. Der Alltag ist oft anstrengend und herausfordernd, aber ich versuche mich immer wieder daran zu erinnern, dass ich unendlich glücklich bin, meine Familie zu haben, und dass Liebe auch Opferbereitschaft und gegenseitiges Dienen erfordert.

Niemand ist vollkommen

Oft höre ich von Bekannten und Freunden, dass sie verwirrt sind, dass sie plötzlich nichts mehr fühlen. Dass am Anfang alles so schön war und nun alles so viel Arbeit erfordert. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, dass Liebe nicht nur ein Gefühl ist. Eine Beziehung erfordert wirklich viel Arbeit und sobald die Verliebtheitsgefühle enden, wird die Beziehung natürlich komplizierter, aber auch echter und tiefer. Man sieht den anderen nun genau so, wie er wirklich ist. Mit all seinen Schwächen und Stärken -  und muss nun einander so wie man ist vollkommen akzeptieren. Diese Phase war für uns als Ehepaar auch nicht immer einfach aber wir haben uns schon im Vorfeld unserer Ehe viele Gedanken darübergemacht ob wir mit dem anderen genau so leben können, wie er ist. Wenn es uns wieder einmal nicht leichtfällt, mit einer Schwäche des anderen klarzukommen, versuchen wir uns daran zu erinnern, dass wir selber auch alles andere als perfekt sind und gleich fällt es einem wieder leichter, diese oder jene Schwäche des anderen anzunehmen. Für uns als christliches Ehepaar ist die Liebe nicht nur mehr als ein Gefühl, sondern die Liebe ist Gott selbst.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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