(c) Yvonne Dömling

Warum ich faste...

  • 16.03.20 11:00
  • Yvonne Dömling
  •   Kultur und Kirche

An einem Samstag haben mein Ehemann und ich beschlossen, uns mit ein paar Freunden zum Essen zu treffen. Als es ums Bestellen geht, fällt auf, dass wir die Einzigen sind, die keinen Alkohol trinken und auch generell etwas Einfacheres bestellen als sonst. Verwundert schauen uns manche Freunde an und fragen, warum wir denn nichts Alkoholisches trinken und nur eine Kleinigkeit essen? Nun ja, wir fasten momentan. „Fasten?“, fragt Karin verwundert. „Wie lange fastest du denn und wieso eigentlich?“ 

Als praktizierende Christin versuche ich jedes Jahr zu fasten. Die österliche Bußzeit dauert in der katholischen Kirche 40 Tage lang und beginnt am Aschermittwoch und endet an Gründonnerstag. Davon ausgenommen sind die Sonntage sowie die Fastentage Karfreitag und Karsamstag – an denen zwar auch gefastet wird, die aber nicht zu den 40 Tagen dazuzählen. 

Die Fastenzeit bedeutet für mich, mich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, auf Gott und auf das, was ich wirklich brauche. Ich möchte bewusst wieder daran denken, dass Jesus für uns gelitten und gestorben ist, dass Jesus auf vieles für uns verzichtet hat. Auch ich möchte als Dank für ihn auf einiges verzichten. Ganz bewusst und freiwillig. Ich möchte mich wieder auf Gott ausrichten und mich intensiv auf Ostern vorbereiten. Das ist meine Motivation. 

Gedanken an andere

Außerdem möchte ich mir bewusstwerden, dass es vielen anderen Menschen in dieser Welt, die hungern oder Krieg erleiden, krank sind oder die aus anderen Gründen leiden müssen, nicht so gut geht wie mir. Dass man diesen Menschen helfen muss, auch wenn ich nicht Großes bewegen kann, möchte ich darüber nachdenken, was ich dennoch tun kann, auch wenn es kleine Werke wie eine Sach- oder kleine Geldspende, ein gutes Wort oder ein Gebet etc. sind. Es geht vor allem darum, diese nicht zu vergessen, denn in der westlichen Welt vergessen wir, die im Überfluss leben, viel zu oft, dass auch heute noch Millionen in ärmeren Ländern tagtäglich hungern und leiden müssen. 

Wie man in der Fastenzeit leben möchte kann natürlich jeder selbst entscheiden. Man kann auf Alkohol, Süßes, Fleisch oder andere Speisen/Getränke, die man gerne hat, verzichten oder auf das Handy, Fernsehen etc. Der Sinn dahinter ist einfach, dass man auf etwas verzichtet, was man gerne hat und was einem schwerfällt. Auch kann man sich vornehmen geduldiger zu sein und an sich zu arbeiten, mehr auf die Mitmenschen und die Armen zu schauen. Es gibt tausend Möglichkeiten. 

Persönlich finde ich es am wichtigsten, auf sich selbst zu schauen und nicht auf die anderen. Wie gesagt ich faste bewusst und freiwillig und denke keinesfalls schlecht über Menschen, die nicht fasten. 

Weniger ist mehr

Für mich aber ist es eine große Bereicherung und ich merke jedes Mal nach der Fastenzeit, wenn ich mein Bestes gebe, dass sich wirklich etwas zum Positiven verändert hat. Dass mein Glaube wieder stärker ist und ich mich irgendwie freier fühle. Zum Beispiel habe ich vor einigen Jahren die Fastenzeit über auf Schokolade verzichtet, was mir unheimlich schwergefallen ist, denn früher habe ich wirklich viel zu viel davon gegessen. Seit der damaligen Fastenzeit brauche ich keine Schokolade mehr und esse nur noch selten welche. Das war nicht mein Ziel, mein Ziel war es wegen Jesus darauf zu verzichten, aber dadurch bin ich von dieser Sucht auch befreit worden. So erging es mir mit vielen meiner Fastenvorsätze. Gott möchte nämlich, dass wir von nichts abhängig sind und ganz ihm gehören. Die Fastenzeit hilft mir oft dabei.

Abschließend möchte ich sagen, dass es einem selbst mal ganz guttun kann, auf etwas zu verzichten und dass es einen auch näher zu Gott bringt, wenn er der Grund dieses Verzichtens ist. Auch ist die Fastenzeit eine super Gelegenheit, auf die anderen zu schauen und darüber nachzudenken, wie man den anderen beistehen kann. Und nicht zu vergessen - nach Jesu Leiden kam für ihn die Auferstehung, auf die wir persönlich nach unserem Leben auch hoffen können. 

AdventsZeit 2019 (c) Robert Boecker

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